Wie man an eine Greencard kommt – durch Heiraten

Gastbeitrag von Hasse Lienert

Wie von Kati schon erwähnt, kann man die begehrte Greencard auch durchs Ehelichen eines amerikanischen Staatsbürgers erlangen. Diese Option ist sehr vielfältig, sodass fast jeder Fall ein klein bisschen anders verläuft. Hier ist mein persönlicher Erfahrungsbericht – kein Legal Advice.

Ich habe meine Freundin im Auslandssemester kennengelernt und nach einigen Jahren und ein wenig grübeln war es dann eines Tages soweit. Was bei einer deutschen Ehe vermutlich der größte Schritt ist, die Eheschließung, ist in einem Fall wie dem unseren aber nur der Anfang – zumindest im bürokratischen Sinne.

Das geht schon bei der Einreise los. Hat man die Absicht in den USA zu heiraten und danach auch im Land zu bleiben, muss man mit dem sogenannten Fiancé(e) Visa einreisen. Bei uns war das nicht der Fall, da zunächst der Plan bestand, nach der Hochzeit und einer Auszeit in Kalifornien, nach Europa zurück zu kehren. Das Fiancé(e) Visa kann man bei der ortsansässigen amerikanischen Botschaft beantragen.

Wenn man nun also in Kalifornien ist, und den Entschluss gefasst hat zu heiraten, muss man zunächst eine Marriage License beantragen. Das kann man im Rathaus seiner Wahl machen, da die License für den ganzen Staat gültig ist. Hat man diese, muss man innerhalb von 90 Tagen heiraten. Die Hochzeit an sich kann man je nach Belieben pompös riesig aufziehen, oder ganz klein und flott, nicht einmal Trauzeugen sind notwendig.

Circa zwei Wochen später kann man bei der jeweiligen Municipality seine Marriage Certificates abholen. Diese braucht man später bei der Beantragung der verschiedenen Genehmigungen. Ich spreche im Plural, da es definitiv mehrere Formulare sind, die man gleichzeitig einreicht. Bei uns waren das die Folgenden, die im Anschluss erläutert werden:

  • I-485 – Application to register permanent residence or adjust status
  • I-130 – Petition for alien relative
  • I-765 – Application for employment authorization
  • I-131 – Application for travel document

I-485 ist aus verschiedenen Gründen notwendig. Zum einen bin ich ja als Wald- und Wiesentourist mit einem einfachen ESTA-Antrag eingereist – ein Non-Immigrant Visa, das theoretisch nicht zu einer Greencard führen kann. Also musste mein Status geändert werden. Ist das getan, ist der I-485-Antrag auch der, der letztendlich zur Greencard führt (aka Permanent Residence).

I-130 ist der Antrag, in dem der amerikanische Partner sich als Visumssponsor deklariert und sich als legitim ausweist. Dazu gehört die Staatsbürgerschaft, Nachweise über ein (nicht allzu hohes) Mindesteinkommen, Nachweise, dass man in den letzten drei Jahren seine Steuern gezahlt hat, und natürlich die Erklärung, dass man diesen „armen Ausländer“ bei sich aufnimmt.

I-765 ist für die Arbeitserlaubnis, die unabhängig von der Aufenthaltserlaubnis bearbeitet wird und mittelfristig zum Employment Authorization Document (EAD-Card) führt. Diese erhält man einige Zeit vor der Greencard, man muss also nicht bis ganz zum Ende des Prozesses warten bis man anfangen kann zu arbeiten. Gleichzeitig heißt das auch, das man bis man die EAD-Card in der Hand hat (mit der man dann wiederum eine Social Security Nummer beantragen kann), keiner bezahlten Beschäftigung nachgehen darf.

Solange der gesamte Prozess läuft, sollte man die USA nicht verlassen (oder betreten – man kann das Ganze nämlich auch aus dem Ausland via Botschaft beantragen). Damit man doch auch bevor die nicht unbeträchtliche Zeit vorbei ist, mal in der Heimat vorbeischauen kann, gibt es den Antrag I-131. Sobald dieser gestattet wird, darf man das Land verlassen. Streng genommen, geht es den Behörden dabei nicht um das Verlassen der USA, sondern um das Zurückkommen. Durch „vorzeitiges“ Ausreisen verliert man sämtlichem Fortschritt, der bis dahin bürokratisch gemacht wurde, und muss bei Rückkehr in die USA wieder von vorne anfangen. Durch den I-131 umgeht man das.

Es empfiehlt sich auch alle Anträge auf einmal loszuschicken. Auf diese Art ist es zwar mehr Papierkram auf einen Schlag, aber man spart sich die Gebühren für die Anträge I-765 und I-131.

Hat man sein Paket – und das ist es wirklich, da kommt ein ganz schöner Stapel Papiere zusammen –endlich einmal abgeschickt, heißt es erst einmal warten. Das erste Lebenszeichen kam bei mir als SMS (#modernezeiten) vom United States Citizenship and Immigration Service (USCIS), der den Eingang meiner Anträge bestätigte. Die nächsten Schritte sind ein Biometrics-Interview (heißt nur Interview, es werden Bilder gemacht und Fingerabdrücke genommen), irgendwann kommt die EAD-Card und die I-131 Bestätigung (ein einziges Dokument, wenn man beides gemeinsam beantragt) und schlussendlich die Einladung zum Interview, in dem darüber entschieden wird, ob man dann die Greencard zugeteilt bekommt. Die EAD-Card kam bei uns nach drei Monaten, insgesamt gibt es aber quasi kein oberes Limit, wie lange der Prozess dauern kann.

Zwei Webseiten, die uns sehr geholfen haben, waren immihelp.com und visajourney.com. Beide Seiten werden privat, also nicht von staatlicher Seite betrieben. Immihelp hilft bei der Vielzahl an Schritten im Immigrationsprozess. Es gibt eine Vielzahl von Foren, in denen sämtliche Fragen, die aufkommen können, diskutiert und (meistens) aufschlussreich beantwortet werden. Darüber hinaus gibt es für alle Anträge Beispielversionen à la Max Mustermann, die beim Ausfüllen der Papiere helfen. Visajourney ist ein Vergleichsforum. Man kann es zum einen als Checkliste nutzen, um zu sehen was noch alles getan werden muss, zum anderen, um seinen eigenen Fortschritt zu dokumentieren. Dadurch, dass gerade Letzteres von vielen Nutzern gemacht wurde und wird, ist die Seite in der Lage relativ präzise abzuschätzen wie lange es bei den Verschiedenen Anträgen jeweils noch dauert, bis wieder etwas passiert.

Generell gibt es immer auch die Option sich professionelle Hilfe dazu zu holen. Diese kann vom auf Immigrationen spezialisierten Anwalt bis zur Online-Agentur reichen. Jeder muss für sich selbst abwägen, ob man sich selbst durch den Papierhaufen wühlt, oder einen Profi bezahlt, es für einen zu machen (was natürlich keinen Erfolg garantiert). Wir haben es selber gemacht, was zwar langwierig und zu einem gewissen Grad frustrierend ist, andererseits ist es auf jeden Fall machbar, man weiß, wie weit man ist, warum man eine Vielzahl an Papieren unterschreibt und einen Arzt besuchten muss.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Prozess aufwändig und zeitintensiv ist, aber schlussendlich höchstwahrscheinlich zum Erfolg führt (es sei denn ihr findet euren Partner bei Silkroad – die Behörden wollen ordentliche Geschichten hören). Und zumindest in meinem Fall könnte ich mir Schlimmeres vorstellen als ein bisschen gezwungenen Urlaub in San Francisco zu machen.

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Hasse Lienert hat vor nicht allzu langer Zeit seine Arbeitserlaubnis erhalten und ist momentan auf Jobsuche. Wer Einstiegspositionen in den Bereichen Marketing, Finance, oder Business Development in und um San Francisco zu vergeben hat, kann ihn sich gerne bei LinkedIn anschauen und Kontakt zu ihm aufnehmen.

Foto von Matt.

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