27. Deutsche im Silicon Valley

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29. Jetzt bei der Greencardlotterie 2018 mitmachen!

Es ist wieder so weit: Bis zum 7. November könnt Ihr bei der Diversity Lottery mitmachen.

Jeder mit einem qualifizierten Schulabschluss oder mindestens zweijähriger Berufserfahrung kann sich auf eine Greencard bewerben. Dazu muss man nur hier seine Kontaktinformationen angeben und ein Foto hochladen. Wichtig ist, am Ende des Prozesses seine Nummer zu speichern (am Besten online, digital und offline – sicher ist sicher), die man Anfang Mai des Folgejahres benötigt, um zu schauen, ob man zu den glücklichen Gewinnern zählt. Die Bewerbung dauert ca. fünf Minuten.

Andere Wege, an ein Arbeitsvisum für die USA zu gelangen, findet Ihr hier.

28. Familienanschluss

Das Internet wusste von Anfang an von meinen Auswanderplänen. Ich teilte mein Glück bei der Greencard-Lotterie zunächst meinem besten Freund und meinen Eltern am Telefon und dann meinen Facebook-Freunden mit.

Nur vor meiner Oma hielt ich den Umzug über den großen Teich vermeintlich bis zur letzten Sekunde geheim. In Wahrheit hatte die Kusine meines Vaters ihr schon längst davon erzählt, da sie via Facebook bestens informiert war. Ich hatte mal wieder vergessen meine Verwandten von meinen Facebook-Updates auszuschließen. Meine Oma versuchte mir regelmäßig bei Telefonaten die Neuigkeiten hervorzulocken und erkundigte sich bei jedem Businesstrip nach San Francisco danach, ob ich denn dort bleiben würde. Ich verneinte jedes Mal und kam tatsächlich zurück. An Weihnachten, nur wenige Tage vor meinem großen Umzug, musste ich ihr dann doch erzählen, dass ich für einige Zeit in die USA ziehen würde. In etwa so lange, dass es sich nicht lohnte, meine Wohnung in Berlin weiterhin aufrecht zu halten. Von meiner Standardantwort „erst mal für immer“ war in dem Gespräch natürlich keine Rede. Meine Oma reagierte daraufhin empört mit „Das weiß ich doch!“ – eine ähnliche Reaktion gab es immer dann, wenn man ihr hilfsbereit erneut erklärte, wie man mit der Fernbedienung den Satellitendecoder ein- und ausschaltete (erst „on“, dann auf die „1“). Damit hatte sich das Gespräch auch schon erledigt und mir fiel der letzte große Stein vom Herzen.

Bei meinem Abschied hatte meine Oma Tränen in den Augen und sagte, dass sie nicht mehr da sei, wenn ich wiederkäme. Das sagte sie bereits seit 15 Jahren und auch wenn die Wahrscheinlichkeit stieg, dass sie irgendwann recht behalten sollte, stritt ich ihren Einwand immer als Quatsch ab.

Da ich meine Oma nun seltener sah, nahm ich ihr Altern stärker wahr als zuvor und erschreckte mich, als sie weniger und irgendwann gar nicht mehr gehen konnte, öfter hinfiel und ständig müde war. Während meiner Besuche riss sie sich allerdings zusammen und wir konnten uns oft für kurze Zeit gewohnt gut unterhalten. Auch ihren Humor – der manchmal etwas makaber war – verlor sie bis zum Schluss nicht.

Immer, wenn ich weder meine Eltern noch meine Oma telefonisch nicht erreichen konnte, befürchtete ich, dass ES passiert sei. Als es dann soweit war, erfuhr ich tatsächlich erst Stunden später von ihrem Tod, da ich in üblicher Sonntagsmanier ausgeschlafen hatte und es erst dann aus dem Familien-Chat erfahren hatte. Ich rief sofort meine Schwestern und Eltern an, die den Schock nach neun Stunden Zeitverschiebung schon etwas verdaut hatten. Mein Vater stellte es mir frei, selbst zu entscheiden, ob ich zur Beerdigung käme, da Oma ja nun sowieso tot sei und ein Last Minute Flug ein Vermögen kostete. Als mein Freund aus dem Badezimmer kam, nahm er mich in den Arm und hatte die seltene Gelegenheit, mich weinen zu sehen.

Die Beerdigung fand vier Wochen nach Omas Tod statt. Mein Chef legte mir keine Steine in den Weg, sondern riet mir aus eigener Erfahrung, Abschied zu nehmen. Damit stand mein Entschluss, nach Deutschland zu reisen.

Die Verwandtschaft staunte nicht schlecht, als ich gemeinsam mit meiner Familie zur Friedhofskapelle schritt. Der Gottesdienst war unangenehm. Der Priester, der meine Oma nicht gekannt hatte, behauptete, sie sei gläubig gewesen und hätte sonntags regelmäßig die Messe im Fernsehen geschaut. Das stimmte nicht, aber man kann den Katholiken auf Nachfrage im Vorgespräch ja nicht das Gegenteil erzählen. Außerdem sprach er den Namen meiner Oma Valeria wieder und wieder falsch (´Valerie`) aus, so dass ich die ganze Zeit überlegte, ob ich ihn unterbrechen sollte, mich dann aber dagegen entschied.

Es war kalt, aber sonnig als wir gemeinsam zum Grab liefen, um Abschied zu nehmen. Dann ging es auch schon zum Leichenschmaus ins Café um die Ecke, dessen Personal nicht auf unsere Ankunft vorbereitet schien, so dass wir selbst den Tisch im Nebenraum deckten und die Bestellung von Kaffee und Kuchen übernahmen. Der kleine Patzer lockerte die Atmosphäre und wir feierten das Wiedersehen während wir gemeinsam von Oma Abschied nahmen.

Manchmal vergesse ich, dass sie gestorben ist und will meinen Eltern am Telefon sagen, dass sie Grüße ausrichten sollen. Ich bin froh, dass ich sie an Weihnachten – wenige Wochen vor ihrem Tod – noch gesehen habe und dass meine Schwester ihr von meinem neuen Freund verraten hat, weil ich meiner Familie an Weihnachten nicht von ungelegten Eiern erzählen wollte. Meine Oma war ein besonderer Mensch in meinem Leben und ich habe sie gewissenhaft sonntags über die wichtigen Dinge in meinem Leben informiert, auch wenn ich ihre Bitte zu bleiben, seit mehr als einem Jahrzehnt ignoriert habe und munter durch Deutschland, Europa und die Welt gezogen bin. Mit dem Blick auf meinen reisefreudigen Lebensstil, sagte mir manchmal “Du machst alles richtig.” Danke Oma, RIP.

Wie man den Familienanschluss über den großen Teich aufrecht hält:

  • Einen Familien-Chat bei What`s App einrichten, um trotz Zeitverschiebung auf dem Laufenden zu bleiben
  • Regelmäßig Fotos und Briefe schicken, um im Gedächtnis zu bleiben
  • Regelmäßig anrufen und über die Uhrzeit, das Wetter, Mahlzeiten oder die Nachrichten reden, um trotz tausenden von Meilen gegenseitig am Alltag teil zu haben
  • Bei der Flugbuchung zum Heimaturlaub nicht vom Preis abschrecken lassen, um später nicht zu bereuen bei entscheidenen Wiedersehen nicht dabei gewesen zu sein

27. Baseball 101

Starring: Sofia Gkiousou & Kati Schmidt

 

26. Führerschein machen

Sich in Kalifornien wieder wie 18 zu fühlen, ist ganz leicht. Als anständiger Bewohner sollte man einen gültigen Führerschein vorweisen können. Dieser gilt dann auch gleich als Ausweis.

Ich habe nie ein eigenes Auto besessen, in Hamburg und Berlin aber regelmäßig Carsharing genutzt. In San Francisco selbst kommt man mit Ridesharing (Lyft, Uber) zwar recht weit und braucht auch dank der vielzähligen Delivery Apps (Postmates, Instacart) kein Auto um einzukaufen. Die vollkommene Freiheit beginnt allerdings erst im Cabrio oder SUV auf dem Highway 1 nach Tomales Bay oder Santa Cruz. Um bei einer Verkehrskontrolle oder einem Autounfall nicht in die Bredoullie zu kommen, sollte man dann nicht den deutschen Touristenführerschein zeigen, sondern dem Officer brav den kalifornischen Lappen entgegenstrecken.

Nachdem ich mit der Green Bean meiner Kollegin Kellie für den Berliner Rundfunk ein paar Runden gedreht habe, entschloss ich mich endlich für die Theorieprüfung beim DMV (Department of Motor Vehicles) anzumelden.

Glücklicherweise musste ich nicht wie in Deutschland erneut die Schulbank drücken, sondern konnte mit ein paar Online-Tests und Apps die typischen Fragen durchgehen:

When a driver’s cell phone rings and they DON’T have a hands-free device, they should.
A) Only answer if the call is an emergency
B) Answer if traffic is flowing smoothly, they are in the right lane and driving under 35 miles per hour
C) Never answer 

Wichtig: Unbedingt online einen DMV-Termin machen und alle benötigten Dokumente mitbringen, dann geht es beim ruckzuck. Der ganze Spaß kostete mich ingesamt $33 – ein Bruchteil meines deutschen Führerscheins…

Der schriftliche Test kann an einem Computer gemacht werden und man hat die Möglichkeit bis zu drei Fragen zu skippen oder sechs Fehler zu machen. Obwohl ich das Handbuch nur überflogen und mich komplett auf die Apps und Online-Tests verlassen hatte, habe ich direkt im ersten Anlauf mit zwei Fehlern und etwas Glück bestanden und war nun eine Nummer im DMV-System. Damit konnte ich mich dann für den Behind-the-Wheel anmelden. Den frühestens Termin bekam ich acht Wochen später zugewiesen.

Wer kein Auto eines Bekannten zur Verfügung hat, kann bei der Autovermietung angeben, dass man das Auto zur DMV-Prüfung benötigt und bekommt alle nötigen Dokumente ausgestellt (Fahrzeugschein, Autorisierung zur Fahrprüfung, Versicherung etc).

Die Prüfung beginnt mit den Handzeichen im Falle des Blinkerausfalls, und der Bedienung der wichtigsten Knöpfe (Scheibenwischer, Licht, Warnblinklicht, etc).

Danach bat mich mein etwa gleichaltriger Prüfer Nick rückwärts entlang einer weißen Linie auf dem DMV-Gelände entlangzufahren. Die Übung ersparte mir das Einparken. Nick und ich sind dann etwa zehn Minuten um den Block gefahren. Dabei hat er für jeden vergessenen Schulterblick oder jedes zu kurze Stoppen an der Kreuzung einen Strich gemacht. Beim Üben wäre ich vermutlich durchgefallen, aber als es drauf ankam, lief es wie geschmiert. Nick war sichtlich stolz und händigte mir den Prüfungsbogen mit nur 2 von 15 möglichen Fehlern aus und ermahnte mich zukünftig etwas sanfter zu bremsen.

In drei Wochen sollte mein Führerschein dann per Post eintrudeln.

Termine (für Kalifornien):

Lernmaterial:

Small Talk

Amerika ist das Land des Small Talks. Viele mögen das oberflächlich finden, ich finde es herzlich, wenn Menschen auf der Straße miteinander sprechen, sich Komplimente ohne Hintergedanken machen und sich gegenseitig helfen oder die Langeweile vertreiben. Amerika ist wie Köln.

Der Akzent
Beim Friseur, im Lyft (Ridesharing aus San Francisco) oder beim Arzt werde ich häufig gefragt, wo ich herkomme. Wenn ich dann auf Germany verweise, wird mir versichert, dass man meinen Akzent kaum bemerkt. Ein Kumpel riet mir neulich es mal mit Kanada oder Minnesota zu versuchen, die meisten Amis seien noch nie dort gewesen und er sei sich sicher, dass ich damit durchkäme.

Die Greencard
Dass ich meine Greencard in der Lotterie gewonnen habe, ist ein sehr guter Funfact, der häufig auf Begeisterung stößt. Andere Migranten wissen, dass die Chance die Aufenthaltsgenehmigung auf diese Weise zu erlangen sehr niedrig ist und sind beeindruckt, dass es bei mir funktioniert hat. Einheimische freuen sich ebenfalls mit mir und heißen mich auch nach über einem Jahr noch immer Herzlich Willkommen in Amerika.

Der Kiez
San Francisco ist sehr vielseitig. Die Marina ist mit dem Prenzlberg vergleichbar, hier schieben Muttis in Yogahose den Kinderwagen zum Shoppen. Der TenderNob (Tenderloin + Nob Hill) erinnert an Kreuzkölln (Kreuzberg + Neukölln), die angesagtesten Speakeasys und günstigsten Friseure gibt es hier. Die Mission ist inzwischen so gentrifiziert wie Mitte – zum People Watching geht man hier in den Dolores Park, statt zum Karaokespektakel im Mauerpark. Anhand der Mietpreise erkennt man auch in San Francisco wie lange jemand bereits hier wohnt, da die Preise hier gefühlt stündlich steigen.

Das Wetter
In Kalifornien regnet es so gut wie nie. Sollte man tatsächlich mal ein paar Tropfen erwischen, erkennt man die Locals. Nur Touristen und Zugezogene nervt der Regen. Einheimische betonen, dass das Wasser in der Dürrezeit dringend benötigt wird. Der Klimawandel wird hier sehr ernst genommen.

Und Du so?

25. Der Präsidentschaftswahlkampf

Die ganze Welt verfolgt den US-Präsidentschaftswahlkampf. Für Außenstehende ist der Entertainmentfaktor in diesem Jahr dank Donald Trump besonders groß. Doch so langsam sorgt man sich.

Die Demokraten

Die Verkrampfte
Hillary Clinton ist im Rest der Welt wahnsinnig beliebt. Viele sind überzeugt, dass eine (weitere) Frau der internationalen Politik gut tun würde. Hillary ist erfahren – und verkrampft. Sie hat so lange auf diesen Wahlkampf gewartet, dass sie versucht jeden Moment zu kontrollieren – in Zeiten von Social Media unmöglich. Ihr fehlt das Charisma und die Aufbruchsstimmung, die Bill vor 23 oder Obama vor acht Jahren versprüht haben. Mit viel Glück schafft sie es nicht als Siegerin der Herzen, sondern als geringstes Übel ins Weiße Haus. Drücken wir ihr die Daumen, dass sie ihre Pläne umsetzen kann.

Der Außenseiter
Bernie Sanders wurde lang genug von der eigenen Partei unterschätzt. Er ist bei jungen Leuten beliebt, da er das Establishment offen kritisiert. Als populistischer Außenseiter, der nichts zu verlieren hat, hat er leicht reden und nichts zu verlieren. Sein Programm klingt gut, wird vom Kongress allerdings kaum beschlossen und finanziert werden. Viel heiße Luft?

Die Republikaner

Der Entertainer
Donald Trump ist ein Phänomen und leider der beliebteste republikanische Kandidat. Ähnlich wie Bernie Sanders distanziert er sich vom verkrusteten Establishment und verkörpert als scheinbar erfolgreicher Businessmann alles andere als den typischen Politiker. Angeblich finanziert er sogar seinen Wahlkampf selbst.Trump ist allerdings ein Vollidiot, den man ungern in die Nähe einer Atombombe lassen möchte. Irgendwie trotzt er allen Parodien, die im Internet kursieren und verwandelt seine Bekanntheit in Unterstützung. Das macht Angst. John Oliver zum Phänomen Donald Drumpf: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Der Erzkonservative
Der einzige Republikaner, der noch eine Chance gegen Trump zu haben scheint, ist Ted Cruz. Ist das beruhigend? Nein. Cruz ist religiös, anti-Klimawandel, anti-Einwanderung, Pro-Life (gegen Abtreibung), etc. Viele seiner Aussagen sind exakt deckungsgleich mit Trumps.

Die letzte Hoffnung
Kandidat John Kasich ist die letzte Hoffnung der Republikaner weder Trump noch Cruz nominieren zu müssen. Neben den beiden erscheint der Governor von Ohio, moderat (= ja zum Klimawandel, nein zur Abschiebung illegal Eingewanderter). Eine wahre Chance hat er allerdings nicht.

Der umstrittene Chirurg (ausgeschieden)
Nicht nur Trump, auch Ben Carson brachte sich frühzeitig mit Vorschlägen, die ans Naziregime erinnern, ins Gespräch. Er wolle alle Muslime registrieren, die sich in den USA befinden. Wenn man die seit Januar geltenden Einreisebedingungen in die USA in Betracht zieht, muss man mit Gruseln feststellen, dass Carsons Vorschläge gar nicht so weit hergeholt sind. Im Namen der Terrorismusbekämpfung werden seit 9/11 und den jüngsten Anschlägen von Paris viele Überwachungsmaßnahmen geduldet.

 

Die Alternative
Man munkelt, dass New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg noch als unabhängiger Kandidat ins Rennen einsteigen könne, wenn die Republikaner ernsthaft Trump aufstellen (müssen). Auch Bloomberg könnte sich seinen Wahlkampf ähnlich wie Trump zu großen Teilen selbst finanzieren, auch sein Medienimperium dürfte dabei hilfreich sein. Ob der Geschäftsmann aus New York im Rest des Landers allerdings genauso gut ankommt, wird sich dann zeigen…

Die wichtigen Termine im Überblick:
The Skimm Election Calendar
The Skimm Candidates
The Skimm FAQ