Los Angeles – der neue Tech-Hub in Kalifornien, der es mit dem Silicon Valley locker aufnehmen kann!

Simone Lis, Gründerin von Matchlabn, hilft deutschen Managern bei der Digitalen Transformation, indem sie diese mit aufstrebenden Startup-Gründern in Kalifornien verbindet. Durch ihre Arbeit als Startup-Matchmakerin hat sie über die Jahre exklusive Kontakte und Einblicke in die weltweit größten Startup-Ökosysteme der Welt gesammelt und teilt diese mit ihren Kunden – und uns in diesem Gastbeitrag.   

“L.A. – auf keinen Fall!” Als ich vor sieben Jahren nach Kalifornien ausgewandert bin, hatte ich mich erst für L.A. anstelle von San Francisco entschieden. Zum damaligen Zeitpunkt ohne Uber, Lyft und Bird Scooters ein Fehler! Als Deutsche liebe ich es zu laufen, mein Fahrrad und vor allem öffentliche Verkehrsmittel anstelle meines Autos zu nutzen. Zudem wollte ich Startup-Gründer und nicht Jungschauspieler treffen. Was mich damals aber am meisten gestört hat war, dass ich das “Stadtzentrum” nicht gefunden habe. Kurzerhand hatte ich daher damas beschlossen, diese Stadt zu verlassen und mich für San Francisco als meine neue Wahlheimat entschieden.

L.A. – eine ganz besondere Stadt! Als mein Mann eine neue berufliche Herausforderung in L.A. vor über drei Jahren angenommen hat, habe ich der Stadt eine zweite Chance gegeben und es bis heute nicht bereut. Das Zentrum habe ich zwar bis heute nicht gefunden, aber mittlerweile habe ich verstanden, dass es das Zentrum einfach nicht gibt. Vielmehr setzt sich L.A. aus vielen einzelnen Stadtteilen zusammen, die sich alle sehr stark voneinander unterscheiden und oftmals mehr als zwei Stunden voneinander entfernt liegen. Mein Corporate Innovation Lab habe ich in Silicon Beach gegründet, da hier die lokale Tech-Szene ihren Ursprung hat. Mittlerweile hat sich diese rasend schnell über die ganzen Stadt verteilt und neue Hubs wie beispielsweise Playa Vista oder Downtown sind entstanden.

L.A. – das neue Silicon Valley? Viele meiner deutschen Kunden denken sofort ans Silicon Valley, wenn sie das Wort Innovation und Kalifornien hören. L.A. gilt in der Tech-Szene derzeit noch als Geheimtipp, aber schon jetzt lässt sich das extreme Potenzial dieser Stadt erkennen. Vor allem für Unternehmen aus der Media oder Consumer-Branche wie etwa Food, Fashion, Beauty oder Wellness sowie für Marketers ist das Startup-Ökosystem extrem spannend. Hier fünf Besonderheiten der Stadt:

  1. L.A. ist nach New York die zweitgrößte Stadt in den USA und zeichnet sich vor allem durch seine Vielfalt an Einwohnern aus. Zudem zieht es mehr und mehr Tech-Talente aus dem Silicon Valley in den Süden. Dort vermischen sie sich mit Hollywood-Kreativen und das Ergebnis sind neue Startup-Ideen vor allem in den Bereichen Content, Commerce und Communication.
  2. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Gründer an Content-Ideen für Plattformen wie etwa Mobile oder Virtual Reality arbeiten. Wer nach L.A. zu Besuch kommt, der sollte sich unbedingt vorab ein Ticket bei Dreamscape reservieren und in der virtuellen Realität mit Dinosauriern um die Wette laufen – ein einzigartiges Erlebnis und derzeit für mich eines der besten Tech-Erlebnisse der Stadt!
  3. Hollywood-Stars, Media-Experten und Influencer haben hier mit Hilfe von kreativen Storytelling-Methoden verstanden, wie die Generation Z tickt. Mittlerweile verkaufen diese via Instagram oder YouTube im Minutentakt mehr Produkte als traditionelle Brands und Medienunternehmen zusammen. Neue Hubs für Kreative entstehen, wie etwa YouTube Space, ein neue Art von Co-working-Space exklusiv für Content-Creators mit mehr als 10.000 Followern.
  4. In der Vergangenheit war der Zugang zu Kapital für Startups in L.A. (im Vergleich zum Silicon Valley) sehr schwierig, da es kaum Investoren gab. Da Startups von Anfang an profitabel sein mussten, sind hier sehr erfolgreiche E-Commerce Startups, wie zum Beispiel Dollar Shave Club entstanden. Wer die außergewöhnliche Gründergeschichte noch nicht kennt, der sollte sich unbedingt den Podcast “How I built this mit dem Gründer Michael Dubin” anhören. Snap oder Tinder sind weitere Erfolgsgeschichten der Stadt. Das aus dem Silicon Valley bekannte Prinzip “Rinse und Repeat” findet auch hier Anwendung, d.h. erfahrene Gründer teilen ihr Wissen und werden zu Mentoren, Kapital wird in neue Talente investiert und das Startup-Ökosystem beginnt zu wachsen.
  5. Eine weitere Besonderheit ist der Social-Impact-Faktor, der bei fast allen Startups zu finden ist. Wer nach guten Praxisbeispielen sucht, der sollte unbedingt einen Abstecher zu Abbot Kinney machen – eine Hipster-Einkaufsstraße im Herzen von Venice Beach. Hier findet man zahlreiche, nachhaltige Boutiquen wie etwa Tom Shoes, Tees + Jeans sowie die besten veganen Restaurants und Supermärkte der Stadt: The Butcher’s Daughter, Plant Food and Wine oder Erewhon. Wer zudem die schnell wachsende legalisierte Cannabis-Branche erleben möchte, der sollte unbedingt bei MedMan oder Dosist stoppen und sich beraten lassen. Ausweis und Bargeld mitnehmen sowie 21 Jahre alt sein, sonst kommt man nicht am Türsteher vorbei!

Silicon Beach versus Silicon Valley? Viele Menschen denken noch immer, dass Innovation nur an einem speziellen Ort wie etwa dem Silicon Valley stattfindet. Wir bei Matchlabn denken, dass es sich um ein Mindset handelt, das überall auf der Welt und in jeder Stadt erlernt werden kann. Das geschieht nicht über Nacht, wie das Beispiel in L.A. zeigt. Wer demnächst beruflich ins Silicon Valley reist, um die besten Technologie-Startups zu treffen, der sollte sich keinesfalls L.A. entgehen lassen. Mit dem Flieger ist es ein Katzensprung und wer nicht gerne fliegt, der kann am Abend in den High-Tech-Hotelbus Cabin steigen und am nächsten Morgen am Strand von Santa Monica aufwachen und mit mir einen Kaffee bei Gjusta trinken. Let’s matchmake!

Wie man an eine Greencard kommt – durch Heiraten

Gastbeitrag von Hasse Lienert

Wie von Kati schon erwähnt, kann man die begehrte Greencard auch durchs Ehelichen eines amerikanischen Staatsbürgers erlangen. Diese Option ist sehr vielfältig, sodass fast jeder Fall ein klein bisschen anders verläuft. Hier ist mein persönlicher Erfahrungsbericht – kein Legal Advice.

Ich habe meine Freundin im Auslandssemester kennengelernt und nach einigen Jahren und ein wenig grübeln war es dann eines Tages soweit. Was bei einer deutschen Ehe vermutlich der größte Schritt ist, die Eheschließung, ist in einem Fall wie dem unseren aber nur der Anfang – zumindest im bürokratischen Sinne.

Das geht schon bei der Einreise los. Hat man die Absicht in den USA zu heiraten und danach auch im Land zu bleiben, muss man mit dem sogenannten Fiancé(e) Visa einreisen. Bei uns war das nicht der Fall, da zunächst der Plan bestand, nach der Hochzeit und einer Auszeit in Kalifornien, nach Europa zurück zu kehren. Das Fiancé(e) Visa kann man bei der ortsansässigen amerikanischen Botschaft beantragen.

Wenn man nun also in Kalifornien ist, und den Entschluss gefasst hat zu heiraten, muss man zunächst eine Marriage License beantragen. Das kann man im Rathaus seiner Wahl machen, da die License für den ganzen Staat gültig ist. Hat man diese, muss man innerhalb von 90 Tagen heiraten. Die Hochzeit an sich kann man je nach Belieben pompös riesig aufziehen, oder ganz klein und flott, nicht einmal Trauzeugen sind notwendig.

Circa zwei Wochen später kann man bei der jeweiligen Municipality seine Marriage Certificates abholen. Diese braucht man später bei der Beantragung der verschiedenen Genehmigungen. Ich spreche im Plural, da es definitiv mehrere Formulare sind, die man gleichzeitig einreicht. Bei uns waren das die Folgenden, die im Anschluss erläutert werden:

  • I-485 – Application to register permanent residence or adjust status
  • I-130 – Petition for alien relative
  • I-765 – Application for employment authorization
  • I-131 – Application for travel document

I-485 ist aus verschiedenen Gründen notwendig. Zum einen bin ich ja als Wald- und Wiesentourist mit einem einfachen ESTA-Antrag eingereist – ein Non-Immigrant Visa, das theoretisch nicht zu einer Greencard führen kann. Also musste mein Status geändert werden. Ist das getan, ist der I-485-Antrag auch der, der letztendlich zur Greencard führt (aka Permanent Residence).

I-130 ist der Antrag, in dem der amerikanische Partner sich als Visumssponsor deklariert und sich als legitim ausweist. Dazu gehört die Staatsbürgerschaft, Nachweise über ein (nicht allzu hohes) Mindesteinkommen, Nachweise, dass man in den letzten drei Jahren seine Steuern gezahlt hat, und natürlich die Erklärung, dass man diesen „armen Ausländer“ bei sich aufnimmt.

I-765 ist für die Arbeitserlaubnis, die unabhängig von der Aufenthaltserlaubnis bearbeitet wird und mittelfristig zum Employment Authorization Document (EAD-Card) führt. Diese erhält man einige Zeit vor der Greencard, man muss also nicht bis ganz zum Ende des Prozesses warten bis man anfangen kann zu arbeiten. Gleichzeitig heißt das auch, das man bis man die EAD-Card in der Hand hat (mit der man dann wiederum eine Social Security Nummer beantragen kann), keiner bezahlten Beschäftigung nachgehen darf.

Solange der gesamte Prozess läuft, sollte man die USA nicht verlassen (oder betreten – man kann das Ganze nämlich auch aus dem Ausland via Botschaft beantragen). Damit man doch auch bevor die nicht unbeträchtliche Zeit vorbei ist, mal in der Heimat vorbeischauen kann, gibt es den Antrag I-131. Sobald dieser gestattet wird, darf man das Land verlassen. Streng genommen, geht es den Behörden dabei nicht um das Verlassen der USA, sondern um das Zurückkommen. Durch „vorzeitiges“ Ausreisen verliert man sämtlichem Fortschritt, der bis dahin bürokratisch gemacht wurde, und muss bei Rückkehr in die USA wieder von vorne anfangen. Durch den I-131 umgeht man das.

Es empfiehlt sich auch alle Anträge auf einmal loszuschicken. Auf diese Art ist es zwar mehr Papierkram auf einen Schlag, aber man spart sich die Gebühren für die Anträge I-765 und I-131.

Hat man sein Paket – und das ist es wirklich, da kommt ein ganz schöner Stapel Papiere zusammen –endlich einmal abgeschickt, heißt es erst einmal warten. Das erste Lebenszeichen kam bei mir als SMS (#modernezeiten) vom United States Citizenship and Immigration Service (USCIS), der den Eingang meiner Anträge bestätigte. Die nächsten Schritte sind ein Biometrics-Interview (heißt nur Interview, es werden Bilder gemacht und Fingerabdrücke genommen), irgendwann kommt die EAD-Card und die I-131 Bestätigung (ein einziges Dokument, wenn man beides gemeinsam beantragt) und schlussendlich die Einladung zum Interview, in dem darüber entschieden wird, ob man dann die Greencard zugeteilt bekommt. Die EAD-Card kam bei uns nach drei Monaten, insgesamt gibt es aber quasi kein oberes Limit, wie lange der Prozess dauern kann.

Zwei Webseiten, die uns sehr geholfen haben, waren immihelp.com und visajourney.com. Beide Seiten werden privat, also nicht von staatlicher Seite betrieben. Immihelp hilft bei der Vielzahl an Schritten im Immigrationsprozess. Es gibt eine Vielzahl von Foren, in denen sämtliche Fragen, die aufkommen können, diskutiert und (meistens) aufschlussreich beantwortet werden. Darüber hinaus gibt es für alle Anträge Beispielversionen à la Max Mustermann, die beim Ausfüllen der Papiere helfen. Visajourney ist ein Vergleichsforum. Man kann es zum einen als Checkliste nutzen, um zu sehen was noch alles getan werden muss, zum anderen, um seinen eigenen Fortschritt zu dokumentieren. Dadurch, dass gerade Letzteres von vielen Nutzern gemacht wurde und wird, ist die Seite in der Lage relativ präzise abzuschätzen wie lange es bei den Verschiedenen Anträgen jeweils noch dauert, bis wieder etwas passiert.

Generell gibt es immer auch die Option sich professionelle Hilfe dazu zu holen. Diese kann vom auf Immigrationen spezialisierten Anwalt bis zur Online-Agentur reichen. Jeder muss für sich selbst abwägen, ob man sich selbst durch den Papierhaufen wühlt, oder einen Profi bezahlt, es für einen zu machen (was natürlich keinen Erfolg garantiert). Wir haben es selber gemacht, was zwar langwierig und zu einem gewissen Grad frustrierend ist, andererseits ist es auf jeden Fall machbar, man weiß, wie weit man ist, warum man eine Vielzahl an Papieren unterschreibt und einen Arzt besuchten muss.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Prozess aufwändig und zeitintensiv ist, aber schlussendlich höchstwahrscheinlich zum Erfolg führt (es sei denn ihr findet euren Partner bei Silkroad – die Behörden wollen ordentliche Geschichten hören). Und zumindest in meinem Fall könnte ich mir Schlimmeres vorstellen als ein bisschen gezwungenen Urlaub in San Francisco zu machen.

Untitled

Hasse Lienert hat vor nicht allzu langer Zeit seine Arbeitserlaubnis erhalten und ist momentan auf Jobsuche. Wer Einstiegspositionen in den Bereichen Marketing, Finance, oder Business Development in und um San Francisco zu vergeben hat, kann ihn sich gerne bei LinkedIn anschauen und Kontakt zu ihm aufnehmen.

Foto von Matt.

Fail early, fail fast — Leben und Lernen in San Francisco

Gastbeitrag von Kathrin Jansen

Kathrin Jansen und ihre Familie verbrachten sechseinhalb Jahre in San Francisco. Für Kaliforniakati reflektiert Kathrin, was sie in den USA gelernt hat. Was hat sie beeindruckt? Was können sich Deutsche von den Amerikanern abschauen? Wie können wir in einer immer mehr miteinander verbundenen Welt besser zusammen arbeiten und globale Probleme besser lösen?

1. Kultur und Netzwerken

Nach der Wohnungssuche in San Francisco, stand für mich die Jobsuche an. Was dabei zählt sind gute Kontakte, ein starkes Netzwerk und namhafte Arbeitgeber oder Universitäten auf dem Lebenslauf. Leider hatte ich zunächst nur eine Handvoll Kontakte in der Bay Area und ein solides berufliches Netzwerk war noch lange nicht in Sicht.

Deshalb entschloss ich mich, zunächst als Freiwillige für Organisationen zu arbeiten, um mein Netzwerk aufzubauen, Berufserfahrung zu sammeln und neue Arbeitsfelder kennenzulernen. Beim World Affairs Council, der Wikimedia Foundation, Room to Read, Women 2.0, und Social Capital Markets, konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln.

Durch meine ehrenamtliche Arbeit konnte ich mich auch mit der West-Coast-Mentalität und Arbeitskultur vertraut machen. Drei Ideen stechen dabei besonders hervor:

  • San Francisco zieht Menschen aus aller Welt an und jeder empfindet es als ein großes Privileg mit so unterschiedlichen Menschen arbeiten zu dürfen: (Kulturelle) Unterschiede werden als große Bereicherung angesehen. Viele Studien belegen mittlerweile, dass “socially diverse” Teams effektiver, kreativer und innovativer sind.
  • In San Francisco lernt man schnell sehr viele, hilfsbereite Menschen kennen. Nicht schüchtern sein: Sag was du brauchst und biete deine Hilfe im Gegenzug an. Amerikaner sind große Fans von “giving-back” and “paying-it-forward”. Entrepreneur und Autor Steve Blank beschreibt auf seinem Blog die “Pay-it-Forward” Kultur im Silicon Valley und wie Menschen und letztlich ein gesamtes Ecosystem dadurch schlauer werden.
  • Sei vorbereitet deine “story” zu erzählen: Amerikaner lieben das “Storytelling”. Damit ist nicht gemeint eine Geschichte zu erfinden, sondern sinnvoll darzulegen, wer du bist, was dich bewegt. “Tell your own story before others tell it for you” ist ein sehr guter Artikel, der deutlich macht, warum es wichtig ist, seine eigene Geschichte erzählen zu können.

2. Gründen in der Bay Area

Durch meine ehrenamtliche Arbeit beim World Affairs Council, habe ich eine Gruppe junger Menschen kennengelernt, die, wie ich, ebenfalls an International Development (Entwicklungshilfe) interessiert ist. Gemeinsam haben wir eine Non-Profit Organisation gegründet, die Menschen ermöglicht, sich ehrenamtlich für “local leaders” in Entwicklungsländern zu engagieren.

Auch wenn es nicht immer einfach war, mit vier (am Anfang sogar sechs) Mitgründern Entscheidungen zu treffen, haben Do Good Lab’s Freiwillige etwa 60,000 Euro in Spenden gesammelt und lokale Entwicklungsprojekte u.a. in Uganda, Kenya und Indien finanziert.

Die Bay Area und das Silicon Valley sind bekannt für ihren Gründergeist. Das meiste Geld und Interesse bekommen Tech Start-ups, aber der soziale Sektor steht in Sachen Innovationsfreude den technischen Unternehmen in nichts nach. Sehr oft sogar findet man spannende Kollaborationen und es herrscht eine große Offenheit voneinander zu lernen.

  • Auch wenn es von außen oft nicht so aussieht: die meisten Menschen, die ich im Sillicon Valley kennengelernt habe, sind vielmehr an “purpose” interessiert als an “profit”. Idealerweise lassen sich “purpose” and “profit” verbinden. Begriffe aus der “corporate world” hört man zunehmend auch im sozialen Bereich: Spenden sind Investitionen und man achtet auf den “Return on Investment”. Investoren wollen Erfolgsmetriken sehen und genau wissen, wem ihr Geld hilft. Traditionelle Spendenaktionen werden vermischt mit neuen Ideen: “Buy one — Give One” Modelle, Mikrokredite und Online-Spenden Plattformen verändern wie wir Geld geben und als Spender annehmen/verwenden.
  • Auch die rechtliche Struktur von Non-Profit Organisationen hat begonnen sich zu verändern: das klassische Modell einer For-Profit oder Not-for-Profit Organisation verschwimmt und es gibt sogenannte hybride Organisationsformen, die “purpose” und “impact” in den Vordergrund stellen, aber der Organisation andere Finanzierungsmöglichkeiten erlauben. Dieser Artikel über die Non- profit/Social Enterprise Embrace, die Baby Inkubatoren für Entwicklungsländer herstellt, zeigt wie schwierig der Weg dorthin sein kann und was die Vor- und Nachteile der jeweiligen Organisationsform sind.
  • Besonders die große Kreativität der Menschen in der Bay Area hat mich immer wieder beeindruckt: keine Idee ist zu verrückt, dass sie nicht Unterstützer und Investoren findet. Natürlich setzt sich nicht jede Idee durch, aber manche schaffen es z.T. ganze Arbeitsfelder und Industrien zu revolutionieren: Crowdfunding Plattformen wie Indiegogo und Kickstarter bieten kleinen Unternehmen, Künstlern und Autoren eine Möglichkeit Geld für ihr Projekt oder Produkt zu sammeln. Wer sich weiterbilden möchte, muss das Haus nicht mehr verlassen, sondern meldet sich bei Skillshare, Udemy oder Coursera an. Ein eigenes Auto braucht man in der Bay Area auch nicht, wenn man sich ein Uber oder Lyft Taxi nehmen kann, oder bei Zipcar schnell ein Auto mieten kann. Ein schönes Urlaubszimmer und wenn es sein darf gleich ein ganzes Haus, kann man auf Airbnb mieten.

Viele dieser Modelle sind zwar nicht im Silicon Valley erfunden worden (die Gründerin von Zipcar bekam die Idee in Berlin, wo es das Konzept des schon länger gibt), aber es sind doch oft Organisationen und Firmen aus Kalifornien, die es schaffen eine Idee massentauglich und erfolgreich zu machen.

3. Big Data und Design

Neben der Berufserfahrung fehlte mir auch der amerikanische Studienabschluss auf meinem Lebenslauf. Ich habe lange überlegt, ob ein zweites Studium sinnvoll ist und ob die hohen Studiengebühren es Wert sind. Während meiner Recherche fand ich eine Reihe von Studiengängen, die die nötigen Fähigkeiten vermitteln in Organisationen zu arbeiten, die an der Schnittstelle von “profit” and “purpose” operieren. Den Bereich finde ich sehr spannend und deshalb habe ich mich für die Presidio Graduate School in San Francisco und einen MBA in Sustainable Management entschieden.

Rückblickend hat sich der MBA für mich gelohnt, da ich sehr viel Neues gelernt habe, ob es sich finanziell auszahlt, werde ich wohl erst in einigen Jahren beurteilen können, bisher allerdings noch nicht. 🙂

  • “What gets measured, gets done” — dem Leitsatz von Peter Drucker entkommt man in einer Business School nicht. Ich finde den Satz aber nicht nur spannend, wenn man an interne, organisatorische Prozesse denkt, sondern auch an große, globale Probleme wie z.B. Menschenrechtshandel, Umweltkatastrophen und die Abholzung von Regenwäldern. Es gibt viele spannende Projekte und Organisationen, die versuchen die wachsende Flut von Daten und Informationen zu nutzen, um soziale und ökologische Probleme zu lösen. Die Global Forest Watch Initiative des World Resource Institute benutzt z.B. verschiedene technologische Methoden, um den Bestand und die Abholzung von Wäldern zu beobachten.
  • Die große Offenheit in der Bay Area macht es auch möglich traditionelle Ansätze und Methoden aus einem Bereich auf gänzlich andere Bereiche zu übertragen. Während des Studiums habe ich viel darüber gelernt, wie “Design-Thinking” oftmals simple und elegante Lösungen für soziale und umweltbezogene Probleme hervorbringen kann. Hinter dem Begriff steckt die Idee, Methoden die man üblicherweise beim Produktdesign anwendet auch für komplexe Probleme in den Bereichen Gesundheit, Umwelt, Bildung und Ernährung zu nutzen.
  • Eine besonders spannende Methode des Design-Thinking ist das sogenannte “rapid prototyping”. Das bedeutet, dass man schnell einen Prototypen erstellt und ihn von zukünftigen Nutzern testen lässt. Das Feedback der Nutzer wird in die nächste Version des Prototypen aufgenommen, bevor er wieder getestet wird. Diesen Zyklus wiederholt man, bis der Nutzer zufrieden ist. Das Motto dieser Methode: “fail early, fail fast”. Der Vorteil ist, dass das Produkt schnell unter realen Bedingungen getestet werden kann.

Ich hoffe, dass ich viel von der Offenheit, Kreativtät und Risikobereitschaft der Amerikaner mit nach Deutschland nehmen kann. Um aktuelle Herausforderungen angehen zu können, brauchen wir mutige Ideen und innovative Organisationen, die sich für Mensch und Umwelt einsetzen.

1-Xo38OWddvhjrtun9EK8l2w

Kathrin Jansen arbeitet als selbständige Beraterin für Unternehmen, Social Entrepreneurs und zivilgesellschaftliche Organizationen in San Francisco/Hamburg. Hier geht es zu ihrer Webseite, auf Twitter ist sie unter @KathrinJansen zu finden.

Foto: Kathrin Jansen

Hauptsache gesund: Die richtige Krankenversicherung wählen

Gastbeitrag von Claus Kaufmann

Die Tarife

Die Krankenversicherung wird in der Regel durch den Arbeitgeber zur Verfügung gestellt und gehört zum sogenannten Benefits-Paket, also dem Paket an Leistungen, das ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern zusätzlich zum eigentlichen Gehalt anbietet. In der Regel bezahlt der Arbeitgeber die Beiträge für einen Basistarif und bietet dem Arbeitnehmer die Möglichkeit andere, bessere Tarife oder z.B. eine Familienversicherung gegen Aufpreis zu wählen. Fällt ein Aufpreis an, wird dieser direkt von Bruttolohn einbehalten.

Bei der Auswahl des Tarifs, müssen Arbeitnehmer sich zwischen der freien Arztwahl („Preferred Provider Organization“, PPO Tarif) oder einem festen Hausarzt „Health Maintenance Organization“, HMO) entscheiden. Einige HMO-Anbieter betreiben gleichzeitig eigene Gesundheitszentren und Krankenhäuser (z.B. https://www.kaiserpermanente.org/), so dass man dort Krankenversicherung und ärztliche Behandlung aus einer Hand bekommt. Man ist dann zwar auf diesen Anbieter festgelegt, spart sich aber lästigen Ärger mit der Krankenversicherung wegen falscher oder nicht erfolgter Abrechnungen. Bei allen HMO-Tarifen, muss man in der Regel auch zuerst zum Hausarzt bevor man einen Spezialisten aufsuchen kann. Der HMO Tarif ist dadurch weniger flexibel, aber erschwinglicher.

Doch auch bei PPO Tarifen sollte man einen Blick auf das im Tarif enthaltene Netzwerk von Ärzten werfen. Denn während einige Provider sehr große Netzwerke mit vielen Ärzten anbieten, haben andere PPO-Tarife nur ein kleines Netzwerk und der Vorteil der zusätzlichen Flexibilität eines PPO-Tarifs geht weitgehend verloren. Auch regionale Faktoren können bei der Auswahl des passenden Netzwerkes eine Rolle spielen, denn manche Anbieter haben in bestimmten Regionen ein sehr dichtes Netz an zugehörigen Ärzten, sind aber in anderen Regionen nur schwach vertreten. Ob ein Arzt zum Netzwerk eines bestimmten Anbieters bzw. Tarifs gehört, kann man auf der Website der Krankenversicherung recherchieren. Ist der gewünschte Arzt nicht im Netzwerk enthalten, erstattet der Krankenversicherer zwar in der Regel trotzdem mindestens einen Teil der Kosten, die Beträge, die man als Patient selbst tragen muss, können aber beträchtlich ansteigen.

Die weiteren Kosten

Neben den Kosten für den monatlichen Beitrag hat man bei den allermeisten Tarifen auch eine Selbstbeteiligung an den anfallenden Arztkosten. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede und die tatsächlichen Kosten der Tarife sind nicht immer leicht zu durchschauen. Die wichtigsten Beträge die man bei der Auswahl im Auge behalten sollte sind:

  • Deductible: Das ist der Betrag, den man selbst bezahlen muss, bevor die Krankenversicherung überhaupt Kosten übernimmt. Bei manchen Tarifen entfällt dieser Selbstbehalt komplett oder für zumindest bestimmte Behandlungen wie z.B. dem Besuch beim Hausarzt („deductible waived“).
  • Office Visit: Das ist der Betrag, den man bei einem „normalen“ Arztbesuch (nicht im Krankenhaus) bezahlen muss. Dabei gibt es zwei Varianten zur Berechnung des Betrags: Fixer Betrag oder Prozentsatz der tatsächlichen Kosten. Der Fixbetrag liegt aktuell bei guten Tarifen zwischen $10 und $30 Dollar, ein prozentualer Anteil schwankt je nach Tarif meistens zwischen 10%-30%. Da die Kosten selbst für einen einfachen Arztbesuch i.d.R. höher sind als $300, ist ein Fixbetrag fast immer günstiger.
  • Impatient Co-pay: Das ist das Gegenstück zum „Office Visit“ für den Fall, dass einmal eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig wird. Im Gegensatz zum Arztbesuch gibt es aber bei der Selbstbeteiligung an den Krankenhauskosten meistens keine Fixbeträge sondern nur eine prozentuale Beteiligung.
  • Sonstige Kosten (wie. z.B. Notaufnahme, Röntgen, Laborleistungen …) unterscheiden sich ebenfalls zwischen den Tarifen. Hier empfiehlt sich ein Blick auf die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Leistungsübersicht.
  • Out-of-pocket-Max: Das ist die maximale jährliche Selbstbeteiligung. Also die Notbremse, damit die Arztkosten nicht ins Unermessliche steigen. Erreicht man in einem Jahr das Out-of-Pocket-Max, übernimmt die Versicherung 100% der weiteren Kosten.

Geldsparen mit FSA oder HSA

Um die Belastung durch Arztkosten zu reduzieren, gibt es bei den meisten Arbeitgebern die Möglichkeit einen Flexible Spending Account („FSA“) zu eröffnen. Bei einem FSA handelt es sich um ein Konto, auf das man Geld aus dem Bruttogehalt einzahlen kann (also nicht versteuern muss), welches man dann z.B. für Arztkosten verwenden kann. Wenn man sich für einen FSA entscheidet, sollte man sich aber mit den genauen Regeln des FSA vertraut machen, denn nicht immer kann angespartes, aber nicht verbrauchtes Geld ins nächste Kalenderjahr übertragen werden. Einige Krankenversicherungstarife erlauben auch die Eröffnung eine Health Savings Accounts („HSA“). Dabei handelt es sich um ein ähnliches Konto wie ein FSA, allerdings gelten hier andere Regeln für die Einzahlung der Beiträge (z.B. kann auch der Arbeitgeber direkt Beiträge leisten) und bezüglich der Übertragung von Guthaben ins nächste Jahr.

Sonstige Versicherungen

Besuche beim Augenarzt, Zahnarzt und Auslandskrankenversicherungen müssen separat versichert werden und sind in der Regel ebenfalls durch den Arbeitgeber abgedeckt. Auch hier sollte man aber noch einmal nachfragen, denn gerade in Bezug auf Auslandskrankenversicherung bestehen unter Umständen Versicherungslücken, die recht teuer werden können.

Tipps zur Auswahl des richtigen Tarifs:

  1. Brauche ich die flexible freie Arztwahl eines PPO Tarifs oder ist ein HMO Tarif für mich das richtige?
  2. Welcher Tarif hat das für mich beste Netzwerk? Sind genügend Ärzte in meiner Region im Netzwerk enthalten?
  3. Wie oft muss ich vermutlich zum Arzt? Wenn ich schon vorhersehen kann, dass ich z.B. einen Krankenhausaufenthalt habe, lohnt sich unter Umständen ein vom Beitrag her teurer Tarif, der aber eine geringe Selbstbeteiligung hat.
  4. Wie hoch schätze ich die Kosten, die ich trotzdem noch tragen muss? Danach richtet sich mein möglicher Beitrag zu einem FSA oder HSA Konto.
  5. Vor dem Arztbesuch: Ist der Arzt im Netzwerk meiner Krankversicherung? Dies kann ich in der Regel durch einen Anruf beim Arzt oder über die Website der Krankenversicherung klären.

Gastbeitrag von Claus Kaufmann, VP Operations bei Avira Inc.