Small Talk

Amerika ist das Land des Small Talks. Viele mögen das oberflächlich finden, ich finde es herzlich, wenn Menschen auf der Straße miteinander sprechen, sich Komplimente ohne Hintergedanken machen und sich gegenseitig helfen oder die Langeweile vertreiben. Amerika ist wie Köln.

Der Akzent
Beim Friseur, im Lyft (Ridesharing aus San Francisco) oder beim Arzt werde ich häufig gefragt, wo ich herkomme. Wenn ich dann auf Germany verweise, wird mir versichert, dass man meinen Akzent kaum bemerkt. Ein Kumpel riet mir neulich es mal mit Kanada oder Minnesota zu versuchen, die meisten Amis seien noch nie dort gewesen und er sei sich sicher, dass ich damit durchkäme.

Die Greencard
Dass ich meine Greencard in der Lotterie gewonnen habe, ist ein sehr guter Funfact, der häufig auf Begeisterung stößt. Andere Migranten wissen, dass die Chance die Aufenthaltsgenehmigung auf diese Weise zu erlangen sehr niedrig ist und sind beeindruckt, dass es bei mir funktioniert hat. Einheimische freuen sich ebenfalls mit mir und heißen mich auch nach über einem Jahr noch immer Herzlich Willkommen in Amerika.

Der Kiez
San Francisco ist sehr vielseitig. Die Marina ist mit dem Prenzlberg vergleichbar, hier schieben Muttis in Yogahose den Kinderwagen zum Shoppen. Der TenderNob (Tenderloin + Nob Hill) erinnert an Kreuzkölln (Kreuzberg + Neukölln), die angesagtesten Speakeasys und günstigsten Friseure gibt es hier. Die Mission ist inzwischen so gentrifiziert wie Mitte – zum People Watching geht man hier in den Dolores Park, statt zum Karaokespektakel im Mauerpark. Anhand der Mietpreise erkennt man auch in San Francisco wie lange jemand bereits hier wohnt, da die Preise hier gefühlt stündlich steigen.

Das Wetter
In Kalifornien regnet es so gut wie nie. Sollte man tatsächlich mal ein paar Tropfen erwischen, erkennt man die Locals. Nur Touristen und Zugezogene nervt der Regen. Einheimische betonen, dass das Wasser in der Dürrezeit dringend benötigt wird. Der Klimawandel wird hier sehr ernst genommen.

Und Du so?

Der Präsidentschaftswahlkampf

Die ganze Welt verfolgt den US-Präsidentschaftswahlkampf. Für Außenstehende ist der Entertainmentfaktor in diesem Jahr dank Donald Trump besonders groß. Doch so langsam sorgt man sich.

Die Demokraten

Die Verkrampfte
Hillary Clinton ist im Rest der Welt wahnsinnig beliebt. Viele sind überzeugt, dass eine (weitere) Frau der internationalen Politik gut tun würde. Hillary ist erfahren – und verkrampft. Sie hat so lange auf diesen Wahlkampf gewartet, dass sie versucht jeden Moment zu kontrollieren – in Zeiten von Social Media unmöglich. Ihr fehlt das Charisma und die Aufbruchsstimmung, die Bill vor 23 oder Obama vor acht Jahren versprüht haben. Mit viel Glück schafft sie es nicht als Siegerin der Herzen, sondern als geringstes Übel ins Weiße Haus. Drücken wir ihr die Daumen, dass sie ihre Pläne umsetzen kann.

Der Außenseiter
Bernie Sanders wurde lang genug von der eigenen Partei unterschätzt. Er ist bei jungen Leuten beliebt, da er das Establishment offen kritisiert. Als populistischer Außenseiter, der nichts zu verlieren hat, hat er leicht reden und nichts zu verlieren. Sein Programm klingt gut, wird vom Kongress allerdings kaum beschlossen und finanziert werden. Viel heiße Luft?

Die Republikaner

Der Entertainer
Donald Trump ist ein Phänomen und leider der beliebteste republikanische Kandidat. Ähnlich wie Bernie Sanders distanziert er sich vom verkrusteten Establishment und verkörpert als scheinbar erfolgreicher Businessmann alles andere als den typischen Politiker. Angeblich finanziert er sogar seinen Wahlkampf selbst.Trump ist allerdings ein Vollidiot, den man ungern in die Nähe einer Atombombe lassen möchte. Irgendwie trotzt er allen Parodien, die im Internet kursieren und verwandelt seine Bekanntheit in Unterstützung. Das macht Angst. John Oliver zum Phänomen Donald Drumpf: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Der Erzkonservative
Der einzige Republikaner, der noch eine Chance gegen Trump zu haben scheint, ist Ted Cruz. Ist das beruhigend? Nein. Cruz ist religiös, anti-Klimawandel, anti-Einwanderung, Pro-Life (gegen Abtreibung), etc. Viele seiner Aussagen sind exakt deckungsgleich mit Trumps.

Die letzte Hoffnung
Kandidat John Kasich ist die letzte Hoffnung der Republikaner weder Trump noch Cruz nominieren zu müssen. Neben den beiden erscheint der Governor von Ohio, moderat (= ja zum Klimawandel, nein zur Abschiebung illegal Eingewanderter). Eine wahre Chance hat er allerdings nicht.

Der umstrittene Chirurg (ausgeschieden)
Nicht nur Trump, auch Ben Carson brachte sich frühzeitig mit Vorschlägen, die ans Naziregime erinnern, ins Gespräch. Er wolle alle Muslime registrieren, die sich in den USA befinden. Wenn man die seit Januar geltenden Einreisebedingungen in die USA in Betracht zieht, muss man mit Gruseln feststellen, dass Carsons Vorschläge gar nicht so weit hergeholt sind. Im Namen der Terrorismusbekämpfung werden seit 9/11 und den jüngsten Anschlägen von Paris viele Überwachungsmaßnahmen geduldet.

 

Die Alternative
Man munkelt, dass New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg noch als unabhängiger Kandidat ins Rennen einsteigen könne, wenn die Republikaner ernsthaft Trump aufstellen (müssen). Auch Bloomberg könnte sich seinen Wahlkampf ähnlich wie Trump zu großen Teilen selbst finanzieren, auch sein Medienimperium dürfte dabei hilfreich sein. Ob der Geschäftsmann aus New York im Rest des Landers allerdings genauso gut ankommt, wird sich dann zeigen…

Die wichtigen Termine im Überblick:
The Skimm Election Calendar
The Skimm Candidates
The Skimm FAQ

 

Trinkgeld geben

Dass deutsche Kellner amerikanische Gäste lieber mögen als amerikanische Kellner deutsche Gäste hat zwei Gründe: 1. Die Höhe des Trinkgelds, 2. Die Art wie größere Gruppen eine Rechnung begleichen.

In den USA, speziell in San Francisco, inzwischen die amerikanische Stadt mit den höchsten Lebenshaltungskosten, ist Trinkgeld nicht nur gut fürs Karma, sondern deutlich mehr als eine nette Geste. Der naseweise deutsche Tourist, der ausführlich den Marco Polo Reiseführer aus der Stadtbücherei in der vorletzten Auflage studiert hat, mag zu seiner Verteidigung behaupten, dass das amerikanische Restaurant die Bezahlung seiner Angestellten voll und ganz auf die Kunden abwälzt und rechtfertigt seinen Geiz damit, dieses System nicht unterstützen zu wollen. In Kalifornien gilt allerdings ein Mindestlohn von $9/Stunde auch in der Gastronomie, ab Januar 2016 sind es $10/Stunde. McDonald`s zahlt sogar freiwillig $1 über Mindestlohn. Selbst diese in den Augen von Reisenden aus ostdeutschen ländlichen Gegenden durchaus fürstliche Entlohnung reicht in San Francisco und Umgebung allerdings bei Weitem nicht aus, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, s. Mietspiegel.

Von daher ist es eine Selbstverständlichkeit, beim Zahlen ein Trinkgeld von 20% zu geben. Dies funktioniert so:
1. Der Kellner bringt sobald seine Arbeit getan ist und er serviert hat (nicht sobald alle aufgegessen haben), die Rechnung an den Tisch mit den Worten „whenever you are ready“. Davon sollte man sich nicht verunsichern lassen. Falls man doch noch etwas bestellen möchte, kann die Rechnung einfach angepasst werden.
2. Alle Parteien legen dann ihre Kreditkarte in die Rechnungsmappe und geben sie zurück an den Kellner mit den Worten „split evenly“ oder „two thirds on this one, one third on this one“, wenn es sich um ein Pärchen mit einer gemeinsamen Kreditkarte handelt. Die Rechnung wird NIE penibel auseinander gerechnet, auch wenn jemand ein weiteres Getränk oder ein teureres Gericht hatte. Diese Art der exakten Bezahlung nennt man hier kopfschüttelnd „the German way“. Bei ganz großen Differenzen bietet der mit dem größten Appetit an, das Trinkgeld komplett zu übernehmen oder den nächsten Drink in der Bar zu bezahlen.
3. Der Kellner kommt dann mit einer Rechnung pro Kreditkarte wieder. Hier wird dann das Trinkgeld vermerkt (20%!). Zur Unterstützung beim Kopfrechnung werden meist die Beträge für 15%, 20% und 25% auf dem Bon aufgeführt. Nur wenn das Trinkgeld schon im Endpreis enthalten ist, zum Beispiel bei größeren Gruppen (6+), ist eine einfache Unterschrift erlaubt.

Wenn Ihr in den USA mit mir essen gehen wollt, haltet Euch bitte an die Regeln. Danke!

USA vs Deutschländ

Als ich vor ein paar Wochen in Berlin war, ist mir aufgefallen, dass ich mich in Amerika schon so gut eingelebt hab, dass mir einige Dinge in meiner ehemaligen Heimat komisch vorkamen. Nachdem ich gelandet war, ging es schnurstracks zu Curry Mitte – dann allerdings zur Sparkasse gegenüber, da man dort weder mit Karte noch mit Dollar zahlen kann…

Bevor ich weiter amerikanisiere, wollte ich ein paar Dinge mit Euch teilen, die mir in den ersten Monaten aufgefallen sind. Danke für Eure Einsendungen per Facebook!

 

Zwischenmenschlich: 

Optimismus // Skepsis

Pay forward // Geben und Nehmen

How are you? // Unfreundlichkeit

Kundenfreundlichkeit // Als Kunde musst Du freundlich sein

Anstehen // Drängeln

Dating, going exclusive, having the talk // Verliebt, verlobt, verheiratet

 

Gesellschaft: 

Obama // Merkel

Right to own guns // Maschendrahtzaun

Stark verbreitete Obdachlosigkeit // Hartz 4

Einpack-Service im Supermarkt // Schnellabfertigung

ID // Personalausweis

Ausweiskontrolle in Bars & Drinking Age 21 // 16/18

Alkohol in der Papiertüte // Wegbier

Greencard Lottery // –

Religion // Säkularismus

Thanks Giving // Weihnachten

July 4 // Tag der Deutschen Einheit

Babyshower // Babypinkeln

Burning Man // Oktoberfest

Britney Spears // Helene Fischer

Sperrstunde // Berghain

Football, Basketball, Baseball // Fußball

 

Wirtschaft: 

Innovation // Industrie 4.0

Silicon Valley // Berliner Copycats

Venture Capital // Risikokapital

– // Mittelstand

Schulden und Leasing // Schaffe, schaffe, Häusle baue

Dollar // Euro

Kreditkarte // Cash

Preisauszeichnungen ohne // mit MwSt

 

Autofahren: 

Führerschein mit 16 // 18

First come, first serve // Rechts vor links

Cruisen // Rasen

Jeden Meter fahren // Zu Fuß gehen

 

Zuhause:

InSinkErator // Verstopfter Abfluss

Heizung wird zentral gesteuert // Gut isolierte Wände

Klimaanlage // Lüften

 

Essen: 

Frühstück: Avocado, Bacon & Eggs // Brötchen mit Marmelade

Weißes Wasser // Milch

Kleine Cola // Riesige Cola

Free refill // No refill

Glutenfreie Speisekarte // Unverständnis

Im Restaurant wird man zum Tisch geführt // Freie Platzwahl

„Whenever you are ready“ // Fahndung nach dem Kellner zum Zahlen herausgeben

Rechnung gleichmäßig teilen // Genau ausrechnen, wer was zahlen muss

20% Trinkgeld geben // Aufrunden

Let`s get married – Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

So um die 30 flattern die ersten Hochzeitseinladungen aus dem Freundeskreis ins Haus. Unabhängig vom eigenen Beziehungsstatus, trauen sich mehr und mehr beste Freundinnen, Kumpels, Kusinen und Schulfreunde.

An den amerikanischen Küsten ist das Hochzeitsalter ähnlich, im Silicon Valley sogar gefühlt höher, auch wenn der Landesdurchschnitt eher bei 27 Jahren (29 Jahren bei Männern) liegt und viele (zumindest im ersten Anlauf) ihr Highschool oder College Sweetheart heiraten.

Im Münsterland wird meist eher schlicht und traditionell gefeiert. Einige Wochen vor dem großen Tag denken sich die Freundinnen das Programm für den Junggesellinnenabschied aus (Bierbike, Fotoshooting, Mallorcakurztrip etc.). Mittlerweile ersetzt dieses Event meist auch den Polterabend, zu dem die Generation unserer Eltern noch Nachbarn und Freunde eingeladen hat, auf die sie am Hochzeitstag (meist aus finanziellen Gründen) auch verzichten konnte.

Bacheloretteparties in den USA sind ähnlich klischeehaft. Da man sonst feiertechnisch nicht mit Deutschland mithalten kann, wird der Anlass für Pole Dancing Classes, Strip Clubs und Alkoholexzesse genutzt.

Da Münster überwiegend katholisch ist, findet neben der standesamtlichen Trauung hier häufig auch noch eine kirchliche Hochzeit statt. Die kann für zugereiste protestantische oder atheistische Gäste im katholischen Fall ganz schön erschreckend sein (Stichwort: Hochgebet).

In Amerika ist Religion etwas komplexer, da es neben protestantischen und katholischen Glaubensgemeinschaften noch viele weitere Optionen gibt. In Kalifornien finden zunehmend auch Trauungen durch Freunde statt. Ein Zertifikat, mit dem man andere trauen kann, gibt es bei der Universal Life Church für 4,99 Dollar. Auch die Hochzeit in Vegas ist weiterhin beliebt, Elvis steht in der Little White Wedding Chapel für 95 Dollar als Entertainer zur Verfügung.

Hochzeitsbuffets in Deutschland sind für mich eher anstrengend, da ich mir häufig nicht sicher bin, ob die einheimische Küche weiß, was glutenfrei bedeutet und wie man Kontamination vermeidet. Mama war meist so lieb und hat mir einen glutenfreien Kuchen gebacken, den ich zur Hochzeit mitnehmen konnte.

Gluten und sämtliche Allergene sind zumindest an der amerikanischen Westküste keine Herausforderung und werden in der Regel bei der digitalen Zusage (RSVP) mitabgefragt.

Der enge Freundeskreis bereitet in good old Germany meist Spiele mit peinlichen Fotos aus der Kindheit vor und tut sich für Gruppengeschenke zusammen – möglicherweise auch mit dem Hintergedanken, durch Intransparenz Geld zu sparen.

In Amerika gibt es in der Regel ein Online Wedding oder Honeymoon Registry (Hochzeitstisch), bei dem man veröffentlicht wie viel einem das Spektakel wert ist – das Doppelte des deutschen Einsatzes ist durchaus angebracht.

Da Ze Germans meist gut tanken müssen, um lustig zu sein, dauert die Feier in der Heimat deutlich länger. Erst gegen Mitternacht trauen sich die ersten zu Helene Fischer auf die Tanzfläche und an der Bar wird fleißig Schnaps ausgeschenkt. Beim Highlight, dem Schleiertanz, kommen dann auch diejenigen in den Paartanzgenuss, die ohne Begleitung auf der Hochzeit erschienen sind.

In den USA ist man zu dem Zeitpunkt schon fast bettfertig. Wenn der Brautvater droht, die Bar zu schließen und der DJ zum dritten Mal Don`t stop believing von Journey spielt, sollte man sein Uber nach Hause bestellen. Gerade in Kalifornien beginnt der Hochzeitsbrunch schon in den frühen Morgenstunden.

Über den Wolken – Bequem Fliegen

Während ich diesen Beitrag schreibe sitze ich mal wieder im Flieger. Diesmal geht es von San Francisco über Frankfurt nach Berlin. 9 Stunden Zeitverschiebung, 10 Stunden Flug, 2 Stunden warten und dann noch ein kurzer Flug nach TXL, da ein Direktflug nach BER ja leider immer noch nicht möglich ist. Komischerweise hat dieser Skandal dem deutschen Ruf als Tüftler und Denker keinen Abbruch getan, obwohl ich ihn hin und wieder anekdotisch im Small Talk erwähne.

Tipps für Reiseprofis:

  • Eine Kreditkarte beantragen, mit der man Flugmeilen sammeln kann, z.B. die United MileagePlus Explorer Card von Chase. (Dazu benötigt man allerdings eine gute Credit History oder noch bessere Argumente.)
  • Sich beim Department für Homeland and Security Global Entry als Trusted Traveler registrieren und so schneller durch die Sicherheits- und Zollkontrollen bei Ein- und Ausreise gelangen. Die Schuhe dürfen zukünftig dann anbehalten werden.
  • Flugtickets und Airbnb-Buchungen per iPhone Passbook-App verwalten und so alle wichtigen Infos auch offline zur Hand haben.
  • Beim Mobilfunkanbieter ein internationales Datenpaket buchen.
  • Zuhause im Wlan ein paar Filme herunterladen, leider gibt es immer noch Flieger ohne individuelle Bildschirme…
  • Bequemes Outfit zurechtlegen und sich ganz amerikanisch nicht genieren, sondern sich über Brille, Hoodie und Schlabberlook freuen. Auch der Hals bedankt sich für ein sexy Nackenkissen. Wer Probleme mit Klimaanlagen hat, sollte noch einen Schal und dicke Socken einpacken.
  • Zahnbürste, frische Unterwäsche und andere Dinge, die praktisch sein können, wenn der Koffer verloren geht, gehören ins Notfallkit im Handgepäck.
  • Glutenfreies (oder anderes) Spezialessen im Voraus buchen, auch für Nichtzölis ist der Geschmack deutlich besser und das Essen kommt als erstes.
  • Vor Abflug eine Aspirin nehmen, um Blut zu verdünnen und Schwellungen vorzubeugen.
  • Die Uhr bereits im Flieger auf die zukünftige Uhrzeit umstellen und sich nicht ständig darüber den Kopf zerbrechen wie spät es eigentlich Zuhause ist.
  • Vorm Schlafen gehen in der neuen Zeitzone Melatonin – natürliches Schlafhormon nehmen – um direkt die ganze Nacht durchschlafen zu können.

Foto von Alexander Wiegelmann.

Postkartenwettbewerb 2.0

Ich denke oft an Euch, aber ich bin nicht besonders gut im Kontakt pflegen. Deswegen drehe ich den Spieß um und bringe den berühmten Postkartenwettbewerb zurück.

Wer mir eine Karte oder einen Brief schreibt, bekommt einen Platz an meiner Wand und ein selbstgeschriebenes Lebenszeichen von mir persönlich zurück.

Meine Adresse:
60 Dearborn Street
Apt 7
94110 San Francisco
USA

Ich freue mich, von Euch zu hören!

Kati xoxo

Danke, Nina (5.7.2015)

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Danke, Jule (6.7.2015)

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Danke, Claire (17.7.2015)

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Danke, Valentin (26.7.2015)

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Danke, Mama und Papa (23.10.2015)

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Danke, Stephanie (13.4.2016)

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Danke, Bernhard und Gaby (30.9.2016)

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In San Francisco das Tanzbein schwingen

Die ganze Welt spricht über das Berliner Nachtleben. Es gebe dort Menschen, die gingen Donnerstags aus und taumelten Sonntags verschwitzt nach Hause. Frisöre weltweit kennen das Berghain – ich hab`s zwar einmal halbherzig versucht reinzukommen, war aber tatsächlich nie drin. Feiern in Berlin bedeutet eintönige Minimal Elektromusik in abgeranzten Baracken aus graffittibeschmierten Holzpaletten (Kater Blau, Wilde Renate, Club der Visionäre, Ritter Butzke…). Immerhin gibt es seit einigen Jahren dank Club Mate eine Alternative zu Red Bull und anderen Substanzen. Die Engtanzparty hab ich leider erst kurz vor Abreise entdeckt.

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Als ich vor fünf Jahren meine Masterarbeit in San Francisco geschrieben habe, hatte ich auch die Gelegenheit, das hiesige Nachtleben zu studieren. Ich wusste also, dass sich die Feierei von Berlin signifikant unterscheidet.

Warum ich trotzdem gern in San Francisco feiern gehe:
1. Sei, was Du willst. Als Kölnerin im Herzen verkleide ich mich gern und fast jedes Wochenende bietet ein Event in den Straßen von San Francisco den Anlass dazu. Sei es Bay to Breakers, Pride oder Morning Glory – die Tanzveranstaltung vor der Arbeit.
2. Es geht schneller zur Sache. Der heilige Franziskaner begibt sich nach dem ersten Drink bereits auf die Tanzfläche, flirtet und zieht gegen 2 Uhr allein oder in Begleitung nach Hause. Statt Döner gibt es auf dem Heimweg Pupusas oder Tacos. Nach ein paar Stunden Schönheitsschlaf gibt es einen nächsten Tag, der vor 18 Uhr beginnt und sich meist weniger verkatert anfühlt als der Berliner Hangover.
3. Die Musikszene ist heterogen. Wie in den meisten amerikanischen Städten wird meist Hiphop und RnB zum Tanzen gespielt (Vertigo, Beauty Bar), es gibt aber auch Salsa, afrikanische Rhythmen (Little Baobap) und 80s Music (Do im Cat Club) oder EDM, vor allem in den Läden, die etwas länger geöffnet sind (Public Works, Mighty, End up).

Ich bin dann mal weg

Im Dezember gab es Momente, in denen ich mich fragte, ob die Entscheidung, für immer ans Ende der Welt auszuwandern, die Richtige war. Nach außen symbolisierte ich jedoch wie gewohnt Entschlossenheit, um niemandem die Hoffnung zu machen, mich zum Bleiben überreden zu können.

Auch wenn der Großteil meines Umfelds sich für mich über die Greencard freute, gab es auch viele Freunde und Familienmitglieder, die ihre Emotionen weniger im Griff hatten. Ihre Überredungsstrategien sahen wie folgt aus:

1. Die Psychologin: 
Persona: Glücklich liierte beste Freundin.
Diagnose: Auswandern als Ausdruck von Rastlosigkeit und damit einhergehender Bindungsunfähigkeit.
Therapie: Emotionaler Appell (Ich find`s so schade, wenn Du so weit wegziehst. Dann sehen wir uns ja gar nicht mehr.), nostalgischer Appell (Weißt Du noch an Silvester 19…), moralischer Appell (Meinst Du nicht, dass Du nur vor etwas wegläufst?), Aufzeigen von Alternativen (Tinder).

2. Der Bedenkenträger: 
Erscheinungsbild: Älteres, allwissendes Familienmitglied.
Vermutung: Auswandern als naive Träumerei.
Bewältigungsansätze: Verweis auf das deutsche Gesundheitssystem, Verweis auf das deutsche Arbeitsschutzrecht, Weiterleiten von Schreckensnachrichten (Oil Fracking, Ferguson, Wetterkatastrophen), emotionaler Druck (Du musst wissen, was für Dich am Besten ist., Wenn Du wiederkommst, bin ich schon tot., Wir schicken Dir dann Fotos von der Hochzeit. Du musst nicht extra kommen.)

3. Der Opportunist: 
Typ: Reisefreudiger, sparsamer Bekannter.
Urteil: Auswandern als logische Konsequenz des Greencardgewinns (pro > contra).
Strategie: Schnäppchenjagd (Nimmst Du den Beamer eigentlich auch mit? Der überlebt den Transport doch bestimmt nicht.), Wechselkursoptimierer (Kannst Du mir eigentlich die neue iWatch mitbringen, die gibt es da doch bestimmt günstiger?), Mietnomade (Bist Du im Juli eigentlich in San Francisco? Es gibt bei Airberlin gerade günstige Tickets.)

Mittlerweile kenne ich meine Pappenheimer so gut, dass ich weiß, bis zu welchem Grad ich ihre Ratschläge ernst nehmen muss und wann ich schmunzeln darf. Natürlich verfluche ich die neunstündige Zeitverschiebung zwischen der amerikanischen Westküste und Mitteleuropa. Ich stelle mir deshalb brav jeden Sonntag den Wecker, um meine Oma, meine Eltern und meine internationalen paar Freunde vorm Tatort zu sprechen. Als vollblütiger Morgenmuffel konzentriere ich mich meist eher aufs Zuhören und verweise dann schnell auf den Auswandererblog.

Beim Augenarzt (und Zahnarzt): Damit ich Dich besser sehen kann

Ich bin ein Hypochonder – mit Erfolg. Als ich im Sommer 2013 von Hamburg nach Berlin gezogen bin, wollte ich nur mal schnell zum HNO gehen, da ich seit einer Weile das Gefühl hatte, beim gemeinsamen Serienschauen (Dexter) schlechter zu hören als mein Umfeld. Wie sich später herausstellte, hatte ich leider Recht. Diagnose: Otosklerose – eine Verknöcherung im Innenohr, von der auch schon Beethoven, meine französische Kollegin und viele andere Frauen – Stichwort: hormonelle Ursache – betroffen waren. Dies führte unter anderem zur vorübergehenden Pausierung und langfristigen Umstellung meiner Verhütung auf eine deutlich geringere hormonelle Dosis als auch zu der Entscheidung mich VOR meinem Umzug in die USA einer OP zu unterziehen, die ich seit der ursprünglichen Hamburger Diagnose vor mir hergeschoben hatte. Der Rest der Story – Stichwort: Frachtschiffreisen – ist bekannt.

Gerade in den USA angekommen stellte ich fest, dass mein Monatslinsenvorrat aufgebraucht war. In der Benefitspräsentation unserer HR-Abteilung, in der allen Neuankömmlingen erklärt wurde, welche Krankenversicherungsoptionen wir hatten, passte ich gut auf und verstand trotzdem fast nichts – Stichwort: PPO, HMO und FSA. Ich erinnerte jedoch, dass die Möglichkeit bestand, Kontaktlinsen und LASIK aus dem Bruttogehalt zu bezahlen. Ich entschied mich zunächst für Tageslinsen und machte mir einen Termin beim Augenarzt. Auf der Webseite meiner Augenversicherung (vsp) identifizierte ich eine Optikerin in meiner unmittelbaren Nachbarschaft mit einem Termin innerhalb der nächsten Woche. Das Ladenlokal und die Untersuchungsräume waren mit der modernsten Technik ausgestattet, die Ärztin und ihr Personal gutaussehend und freundlich und am Ende stiefelte ich mit einer Zehntagesration Dailies, einer $300-Rechnung für die Untersuchung und einem Abholschein für 360 Kontaktlinsen aus der Praxis. Die Summe tat weniger weh, da ich sie brutto bezahlte und ich das Gefühl hatte, insgesamt einen guten Deal gemacht zu haben.

Next up: Zahnarzt.

Amerikanern wird nachgesagt, wahnsinnig gute Zahnhygiene zu haben. Wer sich diese nicht leisten kann, erwirbt in der Drogerie ein Do-it-yourself-Kit zum Karieslöcherfüllen für $10. Wer – wie ich – eine gute Zahnversicherung (Guardian) hat, geht zweimal im Jahr ohne Zuzahlung zum Zahnarzt zur Untersuchung und Zahnreinigung. Studio Dental ist die Hipster-Lösung für den modernen Techworker. Der Zahnarzt kommt regelmäßig auf unseren Campus gerollt. Man checkt via iPad ein, der Rezeptionist redet über Videochat mit einem und wahrscheinlich anderen Patienten gleichzeitig und erkundigt sich freundlicher als Starbucks nach der richtiger Aussprache des Vornamens (Kati statt Katie). Meine Augenärztin chattete ähnlich begeistert mit mir über meinen Greencardgewinn und mein Alter, da sie mich wie die meisten Menschen locker fünf Jahre jünger schätzte. Meine Zähne waren erwartungsgemäß im einwandfreien Zustand. Danach kam ihre Assistentin zur Zahnreinigung und fragte mich zunächst, ob ich eine Netflixserie über den Fernseher an der Decke schauen wollte. Und ob: die perfekte Gelegenheit Parks and Recreation zu testen. 30 Minuten später hatte ich saubere Zähne und ein Urteil über die Serie gefällt: Vermutlich authentisch, aber nicht mein Humor. Mit einer Rechnung über $0 – die Versicherung übernahm 100% der Kosten – und einer Reisezahnbürste und Zahnseide bestückt, ging ich die paar Meter zurück ins Büro. Bisher hat mich das amerikanische Gesundheitssystem nicht enttäuscht.