Knochenmark spenden – Leben retten

Wir kennen alle den Unterschied zwischen dringend und wichtig. Das gilt auch für`s Auswandern. Der ebay Möbelverkauf war dringend, denn eine volle Wohnung lässt sich nicht übergeben. Auch die Abmeldung beim Bezirksamt in Neukölln war dringend, denn alle anderen Kündigungen erforderten die Abmeldebestätigung. Wichtig hingegen war mir, mich ordentlich zu verabschieden, meine Jägermeisterbar zu vererben und mich von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei ab- und bei Delete Blood Cancer anzumelden. Von allen bürokratischen Tätigkeiten war dies nicht die dringendste, aber eine der wichtigsten und reibungslosesten Abläufe.

Für alle Nichtauswanderer: Bei der DKMS registrieren:
1. Voraussetzungen überprüfen (Wohnsitz in Deutschland, zwischen 18 und 55 Jahre alt, nicht chronisch krank oder krebskrank, gesunde Körpergröße und Gewicht)
2. Angabe von Kontaktdaten
3. Abstrich von der Wangenschleimhaut machen

So meldet man sich von der DKMS ab und bei Delete Blood Cancer an:
1. Nachricht an service@dkms.de schicken und Typisierungsergebnisse anfordern.
2. Typisierungsergebnisse an justin@dkmsamericas.org senden und sich online bei Delete Blood Cancer DKMS registrieren.

Wie man eine Wohnung in Berlin loswird

Man könnte meinen, in Berlin gingen Wohnungen weg wie warme, glutenfreie Semmeln. Meine ehemalige Vermietungsgesellschaft – die mit den bunten Häuserfassaden in Neukölln – sah das scheinbar anders.

Wenig begeistert reagierte die Sachbearbeiterin #1 auf meine Kündigung Anfang Dezember, obwohl ich ihr versprach, schnellstmöglich einen Nachmieter zu suchen. Auf ihren Einwand, dass dies generell nicht üblich sei, entgegnete ich ihr, dass ich selbst Nachmieterin sei. 1:0 für mich.

Die gleiche Dame hatte ich beim Einzug vergeblich versucht, von Airbnb zu begeistern, aber trotz Verweis auf die Airbnb Gastgebergarantie lies sich da nichts machen. Man wolle keinen Präzedenzfall schaffen. Berlin zeigte sich wieder einmal von seiner umcharmanten bürokratischen Seite – ein Habitus, den man seit Mauerbau nicht abgelegt hatte. Auch nicht im Westen.

Nachdem Frau A. nach dem dritten Anlauf meine Kündigung akzeptierte, verwies sie mich auf eine andere Abteilung zwecks Prüfung der Nachmieter. Man wolle sich kulant zeigen, soll heißen: Sie zahlen bitteschön drei Monate weiter und dann schlagen wir vor in Kraft treten der bevorstehenden Mietpreisbremse noch mal ordentlich was drauf. 

Um einen Nachmieter zu finden, der sich bereit erklärte, möglichst viele Möbel zu übernehmen und ins Karma zu investieren, inserierte ich meine Wohnung zunächst nur im erweiterten Facebook-Freundeskreis. Dabei hatte ich übersehen, dass sich dort und in der Berliner Gründerszene auch Freiberufler, Berufsanfänger in der Probezeit und EU-Ausländer befinden. Das gefiel der kulanten Hausverwaltung jedoch gar nicht. Herr T. unterschlug systematisch Bewerbungen, sagte potenziellen Nachmietern ohne meine Kenntnis ab, legte Bewerbungsformulare auf den Stapel für eine andere freigewordene Wohnung im gleichen Haus und ließ sich immer wieder neue Kriterien einfallen, die nicht jeder normalsterbliche Mensch erfüllen kann: Nettoeinkommen mindestens 1.900 EUR/Monat, Bürgschaften, erhöhte Kaution, etc.

So langsam wurde ich nervös und begann meine Möbel auf ebay zu inserieren. Am Tag meiner Abschiedsparty vereinbarte ich vormittags einen Termin mit der Hausverwaltung zur Abnahme. Der Ansprechpartner kam mit Taschenlampe bewaffnet und leuchtete eine gute Stunde in jede Ecke und gab auch die kleinste Macke zu Protokoll. Endergebnis – wenig überraschend – alles müsse renoviert und gestrichen werden (inklusive Zimmerdecken). Unter besenreiner Überlassung einer kaum abgenutzten Wohnung verstand ich allerdings etwas anderes.

Am 23. Dezember konnte ich meinem Nachmieter die neue Warmmiete mitteilen, der Aufschlag hielt sich glücklicherweise in Grenzen, vermutlich, weil bereits bei mir und meinem Vormieter auf die durchschnittliche Neuköllner Miete aufgeschlagen wurde. Man würde sich zwecks Übergabetermin schnellstmöglich bei mir melden. In diesem Jahr würde das aber nichts mehr werden, wegen der Feiertage und so.

Als ich Berlin endgültig den Rücken kehrte, gab ich meine Schlüssel einer guten Freundin, die meinen Nachmieter über ihre Düsseldorf-Connection sogar über zwei Ecken kannte und verabschiedete mich schweren Herzens von meinem wunderschönen, riesengroßen Zuhause im Hipsterkiez.

Ich hörte erst wieder vom Übergabetermin, als dieser offiziell geplatzt war, da meine Vollmacht scheinbar fehlte. Ich gab klein bei, regelte die Übergabe mit meinem Nachmieter und schickte die Vollmacht hinterher. Glücklicherweise hielt ich mich zu dem Zeitpunkt in London auf und konnte unsere englische Marketingagentur davon überzeugen, ein Stück Papier nach Deutschland zu schicken, da die E-Mail dort noch nicht hinreichend verbreitet zu sein schien.

Nun galt es nur noch die Kaution zurückzubekommen. Diese darf bekanntlich nicht mit der ausstehenden Miete verrechnet werden. Die Vermieter machten dies natürlich trotzdem und behielten auch gleich den Februar mit ein, obwohl der Betrag bereits vom Nachmieter beglichen worden war. Netterweise hatte man mir in der Zwischenzeit eine neue Sachbearbeiterin zur Verfügung gestellt, die widerwillig die korrigierte Kaution – abzüglich der Januarmiete – überwies…

Koffer

Ich packe meinen Koffer und…

Wie packt man seine sieben Sachen der letzten 30 Jahre, die sich auf knappen 70 Quadratmetern angesammelt haben, in einen handlichen Koffer? Gar nicht.

Mein Plan war deshalb, meinen Ballast möglichst schnell auf ein Minimum zu reduzieren. Meine Ikea-Möbel verscherbelte ich mehr oder weniger erfolgreich bei ebay Kleinanzeigen, Klamotten, die ich lang nicht getragen hatte, brachte ich zum Recycling zu H&M, was ansehnlich und nützlich war, verschenkte ich an Friends und Family.

Mein Plan war es mit zwei Koffern und Handgepäck über den Atlantik zu fliegen. Den Rest sollten meine Eltern mir dann per Post hinterherschicken. Dies war die eindeutige Empfehlung von Lisa, die vor mir bereits nach San Francisco ausgewandert war. Sie wies mich ebenfalls darauf hin, dass ich aufgrund der unterschiedlichen Spannung meine Elektrogeräte in Deutschland lassen sollte. Ich trennte mich brav von allem, außer meinem Beamer, da mir mein Physikerfreund Markus versicherte, dass dieser neu genug sei und den Spannungsunterschied ausgleichen könne, wie sich später glücklicherweise als wahr herausstellte.

Als ich am 3. Januar in San Francisco landete, war ich meiner natürlichen Faulheit sehr dankbar. Ich hatte nach meinem Silvesterurlaub mein Handgepäck nämlich nicht umgepackt und war daher glücklicherweise im Besitz der nötigsten Dinge, da meine beiden Koffer es NICHT in die USA geschafft hatten und erst 2 Tage später eintrafen. Nachdem ich mich via Twitter und Telefon bei British Airways beschwert hatte – zunächst über den Verlust der Koffer, dann über die Beschädigung meines Riesenkoffers, wurden meine Rechnungen fürs Notfall-Shopping erstattet und einen neuen Koffer gab es auch.

Auch der Versand der Pakete sollte nicht reibungslos über die Bühne gehen. Ansonsten wäre dieser Blogeintrag auch zu langweilig geworden. Nachdem Mama und Papa den Großteil meiner ‘Auf jeden Fall’- und ‘Wenn’s noch reinpasst’-Haufen in zwei überdimensionale Pakete gestopft und dem DHL-Mann übergeben hatten, wartete ich ungeduldig auf die Ankunft meines Beamers und des restlichen Kleiderschranks. Das erste Paket kam exakt vier Wochen nach Versand, war von außen reichlich beschädigt, aber noch vollständig und der Beamer funktionierte mit Adapter wie vorhergesagt einwandfrei. Von Paket Nummer II war allerdings weit und breit keine Spur.

DHL wies Paket I trotz Erhalt online weiterhin als nicht zugestellt aus. Als ich eine Woche später das Gefühl hatte, fast jeden Tag das gleiche Outfit zu tragen, telefonierte ich mich bei DHL durch und wurde an USPS verwiesen. Man hatte dort angeblich versucht, das Paket außerhalb unserer Bürozeiten zu liefern. Ich müsse das Paket nun also selbst abholen kommen. Ironischerweise machte das Postamt bereits um 17 Uhr Feierabend. Dank Lyft Plus schaffte ich nun auch Nummer II nach Hause und freute mich beim Auspacken unter anderem über mein Ballkleid, mein Dirndl und den Skianzug. Ende gut, alles gut.

Versand:
Shipping mit DHL/USPS 
Sendung verfolgen DHL
Sendung verfolgen USPS

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Drei, zwei, eins… nee, doch nicht. Wie man mit ebay Kleinanzeigen so manches los wird und viel erlebt

Ich bin in den letzten Jahren oft umgezogen und habe immer eifrig ausgemistet. Spätestens seit ich für die Sharing Economy arbeite, sehe ich einen höheren Sinn, mich regelmäßig von Gegenständen zu befreien und sie mir nur dann zu leihen, wenn ich sie benötige. Da meine Vermietungsgesellschaft sich auch noch eine Woche vor meinem Auszug nicht auf einen Nachmieter geeinigt hatte, es mir wenig sinnvoll erschien, Ikeamöbel in die USA zu verschiffen und meine Eltern weder Platz noch Interesse an meiner Einrichtung zeigten, entschied ich mich kurzum meine Möbel via ebay Kleinanzeigen zu verkaufen. Ähnlich wie Joe aus Craigslist Joe, könnten meine Erlebnisse ein ganzes Buch füllen, anbei meine Highlights in Form von Tipps:

3, 2, 1… Zackig inserieren per App, später Fotos bearbeiten und hochladen.
Die ebay Kleinanzeigen App ist ziemlich cool. Mit wenigen Klicks kann man schnell inserieren. Wenn die Sachen nicht direkt weggehen, sollte man die Fotos noch mal mit einer anständigen Kamera knipsen oder nachbearbeiten, damit sie ansprechend wirken. Danke, Gabi.

(Erst) Wenn’s weg ist, ist’s weg. (Part I)
Paul interessierte sich für meinen schönen Küchentisch. Er kam mit seinem VW T5 und einem Freund vorbei und erklärte sich sogar bereit, das Sofa, das ich von Nina für mein Heimkino geliehen hatte, für 10€ in ihre Wohnung zu fahren und in den vierten Stock zu tragen. Danach kam er wieder und sammelte den Tisch ein. Ich ließ mich bei den Stühlen noch etwas runterhandeln, da ich froh war, alles loszuwerden. Paul und sein Freund trugen den Tisch raus. 5 Minuten später stand der Küchentisch allerdings schon wieder nass – draußen regnete es – in meiner Wohnung, da Paul eine Macke entdeckt hatte, die er nur im Tageslicht erkannt hatte. Danach habe ich mich entschieden, die Gegenstände erst bei ebay Kleinanzeigen zu entfernen, wenn sie wirklich weg waren und immer mehrere potenzielle Käufer warm gehalten. *Der Tisch ist übrigens immer noch zu haben.

(Erst) Wenn’s weg ist, ist’s weg. (Part II)
Ich bin am Tag nach meiner Abschiedsparty um halb 10 aufgestanden, da Madeleine den Kleiderschrank abholen wollte. Sie tauchte allerdings nie in Neukölln auf.

Madeleine

(Erst) Wenn’s weg ist, ist’s weg. (Part III)
Rose hatte dann doch keine Lust mehr auf den Backautomaten.

Rose

Nicht jede Anfrage muss beantwortet werden.

Chris

Was nicht passt, kann nicht passend gemacht werden.
Herr Möller wollte meinen 2,20m hohen Kleiderschrank für seine Tochter erwerben. Einziges Problem: Die Zimmerdecke endete bei 2m.

Zu zweit ist`s sicherer, Ladies.
Nachdem sich Daniel offenbar doch nicht für meinen Kleiderschrank interessierte und mir diese Nachricht schickte, habe ich Besichtigungstermine nur noch in Begleitung durchgezogen und seinen Account bei ebay Kleinanzeigen sperren lassen.

Daniel

Verschenken ist schöner als verkaufen. 
Am Ende habe ich mich entschieden, ein paar persönliche Gegenstände an meine Freunde zu geben. So ist meine Jägermeisterbar bei Nina sicher gut aufgehoben, Karolina hat sich über meinen Spiegel gefreut, Katharina denkt hoffentlich beim Stabmixen an mich, Olli hat meinen braunen Sessel geerbt und meine Palme wurde Kati getauft und wächst jetzt hoffentlich bei Til im Büro munter vor sich hin.

Sofa und Palme

Richtig kündigen: Bürokratie made in Germany

Ich habe sechs Jahre lang immer wieder an der Greencard Lottery teilgenommen, bevor ich tatsächlich gewonnen habe. Ein weiteres Jahr und viele ausgefüllte Formulare später, hielt ich das lang ersehnte grüne Ding endlich in meiner Hand. Nach einem kurzen Intermezzo in New York, bewarb mich auf eine interne Stelle in San Francisco. Als ich meinen neuen Arbeitsvertrag Ende Dezember unterzeichnete, war ich bereits intensiv mit der Abwicklung meiner Berliner Existenz beschäftigt. Ich hatte mir fest vorgenommen, zum Jahreswechsel einen klaren Schnitt zu machen und meine 30jährige Verbindung zur deutschen Heimat so sauber wie möglich aufzulösen. Trotz meiner demonstrativen Zielstrebigkeit, stellten mir Freunde, Bekannte und Kollegen immer wieder die absurde Frage wie lange ich denn beabsichtige, in den USA zu bleiben? Viel mehr Verständnis hatte ich allerdings für die hochgezogenen Augenbrauen der US Grenzbeamten, die mich bei jeder Einreise als Permanent Resident Alien fragten, wann ich denn endlich in die USA ziehen würde? Meine Antwort: ASAP. Für mich ist die Greencard ein One-Way-Ticket, auf das ich lange gewartet habe. Ich habe zu oft im Ausland gelebt, um eine weitere zeitlich begrenzte Auslandserfahrung zu sammeln. Ich bin Anfang 30, nicht Anfang 20. Ich wollte erst mal für immer auswandern. Und deswegen erschien es mir sinnvoll komplett mit Deutschland Schluss zu machen.

Wenn Ihr es mir nachtun wollt, dürfte die folgende Checkliste hilfreich sein:

  1. Abmeldung bei der (Berliner) Meldebehörde: Dies ist das zentrale Dokument, das einem die Kündigung aller anderen Verträge vereinfacht. Leider stellen die Berliner Bezirksämter einem diesen Wisch maximal zwei Wochen vor der Ausreise aus. Wer ähnlich ungeduldig ist wie ich, kann versuchen mit der Kündigung der Wohnung, des Arbeitsvertrages oder eines Schreiben des alten oder neuen Arbeitgebers versuchen, andere Verträge zu kündigen.
  2. Wohnungskündigung: Wer einen solventen Nachmieter findet, kommt meist vor Ablauf der üblichen dreimonatigen Mindeskündigungsfrist, aus dem Mietvertrag raus. Da ich es mit einer höchstbürokratischen Verwaltungsgesellschaft zu tun hatte, stellte sich dieser Prozess als eine meiner nervigsten Baustellen heraus – meine Kaution habe ich bis heute nicht erhalten. Die Weihnachtsfeiertage und die bevorstehende Mietpreisbremse erschwerten die Kündigung ebenfalls. Eine Untermieterregelung kann eine Alternative sein. Dies schien mir im Kontext des sauberen Schlussmachens allerdings zu inkonsequent.
  3. Abos, Internetanbieter, etc: Dinge wie Bahncards, Nahverkehrsabos, Internet- und Festnetzverträge, Vereinsmitgliedschaften etc. sollten sich mit der Abmeldebestätigung und etwas Kulanz des Anbieters schnell abwickeln lassen. Wenn ich einen Award für den schlechtesten Kundenservice im Rahmen der Kündigungen vergeben würde, dann hätte Vodafone ihn mit Abstand gewonnen. Nach 21fachem Hinundher entschied ich mich die weiterhin munter abgebuchten Beiträge, zurückzubuchen. Erst dann erhielt ich eine freundliche Abschiedsemail.
  4. Versicherungskündigungen: Schnell wurde mir klar wie konservativ und überversichert wir Deutschen sind. Berufsunfähigkeit, Unfälle, Haftpflicht… Da ich beabsichtigte, NICHT mehr in Deutschland gemeldet zu sein, prüfte ich sorgfältig, welcher meiner Anbieter mich global weiterhin schützte und welche Verträge ich besser auflösen und in den USA neu abschließen sollte. Für mich sah das in etwa so aus:
  • Auslandskrankenversicherung: Weltweiter Schutz auch ohne deutschen Wohnsitz.
  • Berufsunfähigkeit: Weltweiter Schutz auch ohne deutschen Wohnsitz.
  • Betriebliche Altersvorsorge: Muss rechtzeitig aufgelöst werden, wird sonst zum Kündigungszeitpunkt der Beschäftigung eingefroren und erst im Rentenalter ausgezahlt. Meist gibt es die Möglichkeit, die Zahlungen weiterzuführen, was allerdings wenig sinnvoll ist, da man von dem Steuervorteil beim Umzug in ein anderes Land nicht profitiert.
  • Haftpflicht: Kein weltweiter Schutz bei Wohnortwechsel.
  • Krankenversicherung: Lässt sich mit Abmeldeversicherung unkompliziert kündigen. Man sollte allerdings vorher sicherstellen, dass man in der neuen Heimat ausreichend versichert ist. Wer vorhat, irgendwann zurück nach Deutschland zu kommen, kann eine Anwartschaft eingehen und einen monatlichen Beitrag zahlen, um sicher zu stellen nach Rückzug wieder in eine gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen zu werden. Ich habe mich für Harakiri und gegen den monatlichen Ablass entschieden.
  • Lebensversicherung: Weltweiter Schutz auch ohne deutschen Wohnsitz.
  • Unfallversicherung: Kein weltweiter Schutz bei Wohnortwechsel.
    ACHTUNG: Diese Informationen können von Anbieter zu Anbieter variieren! 

San Francisco vs. New York

Im Februar 2014 verbrachte ich erstmals eine ganze Woche in New York. Meine Freundin hatte kurzfristig doch keinen Urlaub bekommen, ich stapfte allein durch den Tiefschnee und dennoch hat es mir die Stadt sofort angetan.

Drei Monate später nahm ich ohne eine Sekunde zu zögern ein Projekt in New York an und lernte so die Stadt noch besser kennen. Auch unser Head of Public Policy wollte bald hierhin ziehen und das Team ausbauen. Mein Leben als New Yorkerin schien in greifbarer Nähe.

Als ich mich im November auf eine Stelle als Projektmanagerin bewarb, die viel Interaktion mit Kollegen in unseren Headquarter voraussetzte, entschied ich mich gemeinsam mit meiner neuen Managerin, dass San Francisco als Standort mehr Sinn machte. Mein Herz hing allerdings noch an New York. Sollte es Euch auch einmal so gehen, überzeugt Euch vielleicht die folgende Liste, San Francisco doch eine Chance zu geben:

Dinge, die in San Francisco viel besser sind:

  • Wetter. In San Francisco ist es nie richtig kalt. Es schneit auch nicht, es gibt kein Glatteis und es regnet äußerst selten. Es ist eigentlich immer so um die 60° F (15° C).
  • Essen. San Francisco ist vermutlich der Ort, an dem mich die Zöliakie am wenigsten einschränkt. Glutenfreie Beilagen und Ersatzprodukte sind eine Selbstverständlichkeit. Die kalifornische Küche ist wahnsinnig gesund und lecker und das beste Sushi der Welt gibt es bei Tekka.
  • Yoga. Die Bewohner von San Francisco bewegen sich gern. Sie joggen die Hügel hoch und runter, gehen im Umland wandern, laufen Marathons und machen vor allem viel Yoga Ich habe Yoga 2012 für mich entdeckt und bin total begeistert von dem lokalen Angebot.
  • Gründerszene. Das Silicon Valley ist einmalig. Die spannendsten Ideen, die talentiertesten Gründer und die erfolgreichsten Investoren sind hier. Ich kann mir nicht vorstellen, in einem anderen Umfeld zu arbeiten oder irgendwann woanders mein eigenes Unternehmen zu gründen.
  • Verhältnis von Männern zu Frauen. Ist Euch schon mal ein gut aussehender Australier mehrere Straßenzüge hinterhergelaufen, um nach einem Date zu fragen? 😉
  • Reisen. Zugegeben, San Francisco ist am Ende der Welt. Allerdings ist es hier sehr schön. Roadtrips in die Nationalparks in den Süden nach LA, in den Norden über Portland und Seattle nach Vancouver, zum Skifahren nach Tahoe, Colorado oder Utah, zu Burning Man in die Weingegenden Napa und Sonoma oder ein Flug nach Hawaii – bevor einen das Reisefieber in die weite Ferne packt, gibt es hier einiges zu erleben.
  • Zen. Die meisten Kalifornier sind entspannt. Auch wenn Gründer viel arbeiten, ist der Umgang miteinander respektvoll und hilfsbereit. Auch auf den Straßen herrscht keine Hektik. In San Francisco wartet man gern mal ein Stündchen auf einen Platz im Restaurant. Der Dresscode ist eher leger und in Bars und Clubs werden ausländische IDs fast immer anerkannt.

Wie man einen Masterplan in die Realität umsetzt

Masterplan

Auswandern ist wie Urlaub machen, nur länger. Für mich stand fest, dass ich meine Greencard schnellstmöglich nutzen und noch 2014 in die USA auswandern würde. Da sich unser Hauptsitz in Kalifornien befindet und ich vor ein paar Jahren dort bereits gewohnt und meine Masterarbeit geschrieben habe, ging ich zunächst davon aus, zurück nach San Francisco zu gehen. Um einige laufende Projekte zu beenden und eine ordentliche Übergabe an einen geeigneten Nachfolger zu machen, einigte ich mich mit meinem europäischen Manager auf einen Stichtag im Oktober.

Nur wenige Stunden nachdem wir diesen Plan gefasst und abgesegnet hatten, wurde er bereits über den Haufen geworfen. Ich saß gerade im Taxi vom Flughafen zum WM Public Viewing als mich mein amerikanischer Chef anrief und fragte, wie schnell ich denn in New York sein könnte. Ich war sprachlos. Er wiederholte seine Frage und erkundigte sich nach meiner Gesundheit und privaten Verpflichtungen, die dem Einsatz im Weg stehen könnten. Ich sagte sofort zu.

Den Europachef begeisterte diese Aktion natürlich weniger, also versprach ich, im August wieder zu kommen und mich um meine Projekte bis Ende des Jahres in Berlin zu kümmern. Neues Auswanderungsdatum: 1.1.2015!

Nach meiner Rückkehr schmiedete ich meinen Masterplan. Als notorische Projektmanagerin behalte ich gern den Überblick und hake To Do Listen ab – genauso managte ich auch meine Auswanderung.

New York hatte es mir angetan und so schrieb ich den Big Apple als großes Ziel in die Mitte einer DIN A5 Seite. Drumherum entfalteten sich viele Aufgaben, die überwiegend nur in einer bestimmten Reihenfolge erledigt werden konnten: Beispielsweise musste ich erst eine neue Stelle in den USA finden, bevor ich meinen Vertrag verhandeln konnte, oder mich zuerst beim Bezirksamt abmelden (max. 2 Wochen vor der Ausreise) bevor ich aus der Krankenkasse austreten konnte, etc.

Wichtig war mir aber auch mein Privatleben in Berlin, meine Freunde und Familie noch möglichst häufig zu sehen, meinen Resturlaub zu nehmen und eine gebührende Abschiedsparty zu feiern.

Als größere Baustelle stellte sich auch eine OP am linken Ohr heraus: Im Sommer 2013 wurde Otosklerose – die Verknöcherung der Gehörknöchelchen – bei mir diagnostiziert und ich wollte mich lieber noch in Deutschland unters Messer legen. Bei der Voruntersuchung teilte mir meine HNO-Ärztin mit, dass dies bedeute, sechs Monate nach der OP nicht fliegen zu können. Dies war weder mit meinem aktuellen Job noch mit dem Flug über den großen Teich vereinbar. Aufgewühlt ging ich zurück ins Büro und berichtete meinen Kollegen davon. Nach dem Meeting schickte mir mein äußerst aufmerksamer Praktikant einen Link zu Frachtschiffreisen und ich fasste den Entschluss, die OP doch wie geplant in Berlin machen zu lassen und dann über Neujahr zehn Tage mit dem Frachter und hoffentlich ein paar abenteuerlustigen Freunden anzutreten. Als mir die Chirurgin im Krankenhaus später mitteilte, dass ich nur sechs Wochen nicht fliegen dürfte, war ich etwas enttäuscht, da ich mir bereits eine abenteuerliche Überfahrt ausgemalt hatte.

Allzu ernst sollte man seinen Masterplan nicht nehmen. Ständig ändern sich Dinge – beispielsweise bin ich kurzerhand doch nach San Francisco statt nach New York gezogen, da mir dort eine unbefristete Stelle angeboten wurde. Dabei hatte ich schon ein Fahrrad in Brooklyn in Aussicht… Außerdem habe ich es nicht geschafft, alle Verträge rechtzeitig zu kündigen und war auf die Kulanz der Anbieter angewiesen oder musste im Worst Case einige Versicherungen noch ein paar Wochen weiterzahlen.

Was man bedenken sollte:

  • Business (Nachfolger, Übergabe, neue Visitenkarten)
  • Gesundheit (Kontrolluntersuchungen, Abmeldung Krankenversicherung, Auslandsversicherung, amerikanische Krankenversicherung)
  • Privat (Abschiedsfeier, Kurztrips, Besuch von Friends & Family, Feiertage)
  • Steuern (Doppelbesteuerung, Steuererklärungen 2014/2015, internationale Steuerberatung, 401k)
  • Wohnung (Kündigung, Nachmietersuche, Möbel inserieren, Umzug organisieren, Abmeldung Strom, Kündigung GEZ, Kündigung Telko)
  • Versicherungen pausieren/kündigen (Berufsunfähigkeit, Betriebliche Altersvorsorge, Haftpflicht, Lebensversicherung, Unfallversicherung)
  • Verwaltung (Abmeldebescheinigung Bezirksamt, Erfüllung Greencardauflagen, Social Security Number, amerikanisches Konto und Kreditkarte, Adressänderung und Nachsendeauftrag)

Wie ich 2015 von Berlin nach San Francisco auswanderte…

Dieser Blog erzählt wie ich 2015 von Berlin nach San Francisco auswanderte. Wenn Du diese Schritte nacheinander anwendest und dazu eine unverschämte Portion Glück hast, kannst Du ganz entspannt auswandern und Dir ein paar Stolpersteine sparen. Immer wenn in den letzten Wochen etwas schief ging, ließ es sich mit dem Gedanken an diesen Blog fast sogar genießen.

In den nächsten Wochen werde ich mich diesen Bausteinen widmen:

  • Eine Greencard gewinnen
  • In Deutschland abmelden
  • Sachen mit ebay Kleinanzeigen verhökern
  • Verträge und Versicherungen kündigen
  • Wohnung in Berlin loswerden
  • Tschüss sagen
  • Wohnung in San Francisco finden
  • Social Security Number beantragen
  • Krankenversicherung verstehen und auswählen
  • Konto eröffnen und Kreditkarte beantragen
  • Führerschein machen
  • Steuererklärungen machen
  • Zum Arzt gehen
  • Daten
  • Networken
  • Wählen

Auf Deine Vorschläge oder Deinen Gastbeitrag freue ich mich!

Fotomontage von Ferdinand Vogler www.ferdinandvogler.com